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Sambia: Dritte Welle überrollt das Land

Die Situation in den Krankenhäusern ist höllisch

„Unsere Partner sind sehr für die Gefahren von Corona sensibilisiert und halten sich dem Augenschein nach an alle gebotenen Regeln. Mundschutz, Handdesinfektion, teils sogar Temperaturmessungen sind verpflichtend“, schreibt Dr. Volker Waffenschmidt über seinen Besuch in Sambia. Im Juni war er für die Gossner Mission im Land; nach anderthalb Jahren zum ersten Mal wieder „nah dran“. Projektbesichtigungen und -planungen, Beratungen im Liaison Office und nicht zuletzt die Pflege der Partnerschaften standen auf seinem Programm. Überschattet wurden alle Treffen von der Corona-Welle, die das Land gerade überrollt.


„Minibusse sind nach wie vor überfüllt, mit und ohne Masken, Beerdigungen - obwohl offiziell sehr beschränkt - sind noch immer Großveranstaltungen ohne Einhaltung jeglicher Hygieneregeln“, so Dr. Waffenschmidt, „selbst am Flughafen herrscht dichtes Gedränge ohne Abstand und Kontrollen.“ Kurz nach Dr. Waffenschmidts Einreise wurde ein „Lockdown“ verhängt. Er gilt für zunächst drei Wochen und ist weniger strikt und weniger lang als beispielsweise in Uganda. Mitte August finden Parlaments- und Präsidentenwahlen statt; radikale Maßnahmen wären vermutlich unpopulär.

Dr. Waffenschmidt weiter: „Die Infektions- und Todeszahlen steigen rapide, zeigen aber sicher nur die Spitze des Eisberges und sind kaum realistisch; die Dunkelziffern dürften deutlich höher liegen. Getestet werden täglich im Durchschnitt etwa 10.000 Menschen, von denen dann bis zu einem Viertel positiv sind. Es wird nur anlassbezogen und gegen Gebühr getestet; eine flächendeckende Testung scheitert an der Verfügbarkeit von Schnelltests. Diese sind zurzeit kaum zu haben; man gibt sich gegenseitig Tipps, wenn irgendwo welche ‚entdeckt‘ worden sind. Die Impfungen gehen äußerst schleppend voran; eine Erstimpfung haben bislang etwa 142.000 Menschen erhalten, das ist unter einem Prozent der Bevölkerung. Eine Zweitimpfung, die besser vor der Delta-Variante schützt, erhielten kaum 11.000 Menschen.

Befürchtungen und Gerüchte über die Gefährlichkeit der Impfung sind weit verbreitet. Neueste Nachrichten besagen, dass das in Sambia vornehmlich verimpfte Vakzin von AstraZeneca aus indischer Produktion nicht bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur registriert ist, die Impfung somit in Europa nicht anerkannt wird. Das wiederum befeuert Gerüchte, der Impfstoff sei womöglich weniger wirksam; Afrika bekomme nur Ware zweiter Wahl; von Diskriminierung ist die Rede. Die Impfbereitschaft wird so nicht erhöht. Was sich in den Krankenhäusern abspielt, entzieht sich wegen der Isolationsmaßnahmen weitgehend den Blicken der Öffentlichkeit. Glaubwürdige Berichte aber beschreiben die Situation als (wörtlich) ‚höllisch‘.

Nicht allein mangelt es an Betten (man gibt sich gegenseitig Tipps, wo noch Betten frei sein könnten), an Sauerstoff, an Personal: Eine wesentliche Stütze in der Pflege in allen Krankenhäusern sind die Angehörigen, die für Trinken, Nahrung, teils Körperpflege und natürlich Beistand sorgen. Diese Stütze bricht unter Corona-Bedingungen komplett weg. Wer einen Kranken an der Kliniktür abgibt, sieht ihn danach oft nicht mehr wieder. Von Patienten wird berichtet, die Hunger, Durst und Schmerzen leiden, die frierend und verwahrlost in den Betten vegetieren, ohne dass sich eine überarbeitete Krankenschwester um sie kümmert. Das führt schließlich dazu, dass Angehörige nur in großer Not und wenn es schon fast zu spät ist, ihre Verwandten diesem System ausliefern. Die Zahl derer, die zu Hause versorgt werden und dort natürlich ohne Isolation weiter Menschen anstecken, die dort dann auch sterben, sind in keiner Statistik erfasst.“

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