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Die Adivasi

Die Adivasi, die sich aus 460 Völkern und Gemeinschaften zusammensetzen, sind Nachfahren der ersten Bewohner Indiens. 85 Millionen Adivasi (indigene Völker) bilden 7,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie leben über ganz Indien verstreut und wahren verschiedene Sprachen und Kulturen.

Die Selbstbezeichnung  „Adivasi“ (wörtlich „die ursprünglichen Bewohner" oder "die ersten im Lande")  signalisiert ein Bewusstsein um die besondere Identität, um die eigene Geschichte und Kultur und ein politisches Programm zur Bewahrung und Förderung dieser Kultur und zur Erlangung auch der politischen Selbstbestimmung.

Geschichte und Gegenwart

Die Adivasi sind die Nachfahren jener ersten Bewohner Indiens, die sich der herrschenden Ordnung der Eroberer in den verschiedenen Epochen nicht gefügt haben. Die Adivasi waren in vielen Regionen des indischen Subkontinents als Fischer, Hirtennomaden, Wanderfeldbauern sowie als Jäger und Sammler zu Hause, bevor im Zeitraum zwischen 2500 und 1500 v. Chr. kriegerische Hirtenvölker aus dem westlichen Zentralasien das damals dicht bewaldete Land eroberten. Um ihre Herrschaft abzusichern, schuf diese Elite das Kastensystem, das die vorhandene Bevölkerung, die Ureinwohner, als "wild" und "unzivilisiert" ausgrenzte.

Die rassistische Diskriminierung begann also bereits vor dreieinhalbtausend Jahren - und damit auch die Vertreibung und der Rückzug der Adivasi.

Viele Gemeinschaften zogen sich in unwegsame Berg- und Waldregionen zurück, wo sie ihre traditionelle Lebensweise und kulturelle Identität zum Teil bis in die jüngste Vergangenheit bewahren konnten und wo sie bis heute im Einklang mit der Natur leben. In der Wirtschaftsordnung Indiens haben die Adivasi nie einen Platz gehabt - außer als billige Arbeitskraft. Ansonsten beschränken sich ihre Tätigkeiten auf Ackerbau, Viehhaltung und Handwerk.

Die indische Verfassung erkennt zwar die Adivasi mit ihrer eigenen sozio-religiösen und kulturellen Identität an und räumt den „Scheduled Tribes“, den amtlich registrierten Stammesvölkern, Minderheitenrechte ein, d.h. sie sieht eine Quotierung im Bildungsbereich, im Staatsdienst und in den Parlamenten vor. Auch gibt es eine Anzahl von besonderen Förderprogrammen zur wirtschaftlichen Entwicklung. Doch geht dies zumeist an den Bedürfnissen der Adivasi vorbei. Armut, Analphabetentum und schlechte Gesundheitsbedingungen bedrohen das Überleben der Adivasi auch weiterhin.

Die heute mit staatlicher Unterstützung vorangetriebene Industrialisierung zerstört zunehmend die letzten Rückzugsgebiete der Urbevölkerung. Die Abholzung großer Waldbestände, Staudammbauten, Bergbau- und Militäranlagen haben große Teile des Landes bereits verwüstet und Millionen von Adivasi entwurzelt und zu Bettlern gemacht.

Adivasi im Bundesstaat Jharkhand

Die Gossner Kirche ist eine „Adivasi-Kirche“ : Mehr als 90 Prozent ihrer rund 500.000 Mitglieder sind Adivasi: in Assam, auf der Inselgruppe Andamanen/Nikobaren und vor allem in dem im Jahr 2000 neu gegründeten Bundesstaat Jharkhand. Auf die Gründung „ihres“ Staates Jharkhand hatten die Adivasi jahrzehntelang gedrängt. Doch die Hoffnungen, die mit der Staatsgründung verbunden waren, haben sich längst verflüchtigt.
Hauptursache ist die fortgesetzte systematische Enteignung der Adivasi in dieser Region. Jharkhand ist eine der (Rohstoff-)reichsten Regionen Indiens: mit gewaltigen Vorkommen an Kohle, Eisenerz, Glimmer, Bauxit und Kalkstein. Darüber hinaus gibt es beträchtliche Vorkommen an Kupfer, Mangan, Dolomit, Kaolin... Vom Waldreichtum ganz zu schweigen.

Der natürliche Reichtum steht in scharfem Kontrast zur verzweifelten Armut der Menschen, die hier leben. Die verschiedenen Gemeinschaften der Adivasi, ursprünglich 85 bis 90 Prozent der Bevölkerung Jharkhands, sind am stärksten von der Boden-Ausbeutung, der Industrialisierung und der kommerziellen Nutzung der Wälder betroffen.

Nicht nur, weil die Ausgleichszahlungen – falls sie überhaupt angeboten werden – weit unter dem Wert des Verlusts liegen, sondern auch, weil die Adivasi mit der erzwungenen Aufgabe ihres Landes ihre Kultur, ihr Wertesystem und ihre Identität verlieren. So hat die industrielle Entwicklung in Jharkhand zur Vertreibung, Entwurzelung und Proletarisierung Hunderttausender Adivasi geführt.