Indien - Adivasi, Menschenrechte

Adivasi fordern Rechte ein

Indigene Bevölkerung mit besonderem Bewusstsein

Die Adivasi, die sich aus 460 Völkern und Gemeinschaften zusammensetzen, sind Nachfahren der ersten Bewohner Indiens. 105 Millionen Adivasi (indigene Völker) bilden 8,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Sie leben über ganz Indien verstreut und wahren verschiedene Sprachen und Kulturen.

Die Selbstbezeichnung „Adivasi“ (wörtlich „die ursprünglichen Bewohner" oder "die ersten im Lande") signalisiert ein Bewusstsein um die besondere Identität, um die eigene Geschichte und Kultur. Ziel vieler Adivasi ist die Bewahrung und Förderung ihrer Kultur und politische Selbstbestimmung.

Adivasi: Ausgegrenzt und entwurzelt

Die Adivasi sind die Nachfahren jener ersten Bewohner Indiens, die sich der herrschenden Ordnung der Eroberer in den verschiedenen Epochen nicht gefügt haben. Die Adivasi waren in vielen Regionen des indischen Subkontinents als Fischer, Hirtennomaden, Wanderfeldbauern sowie als Jäger und Sammler zu Hause, bevor im Zeitraum zwischen 2500 und 1500 v. Chr. kriegerische Hirtenvölker aus dem westlichen Zentralasien das damals dicht bewaldete Land eroberten. Um ihre Herrschaft abzusichern, schuf diese Elite das Kastensystem, das die Adivasi als „wild" und „unzivilisiert" ausgrenzte.

Die rassistische Diskriminierung begann also bereits vor dreieinhalbtausend Jahren – und damit auch die Vertreibung und der Rückzug der Adivasi. Viele Gemeinschaften zogen sich in unwegsame Berg- und Waldregionen zurück, wo sie ihre traditionelle Lebensweise und kulturelle Identität zum Teil bis in die jüngste Vergangenheit bewahren konnten und wo sie bis heute im Einklang mit der Natur leben. In den Dörfern beschränken sich ihre Tätigkeiten zumeist auf Ackerbau, Viehhaltung und Handwerk. In der Wirtschaftsordnung Indiens haben die Adivasi meist nur als billige Arbeitskraft einen Platz. Einige haben es in den Städten inzwischen zu Wohlstand gebracht und sind in die Mittelschicht, ja vereinzelt auch in die Oberschicht aufgestiegen.  

Die indische Verfassung erkennt die Adivasi zwar mit ihrer eigenen sozio-religiösen und kulturellen Identität an und räumt den „Scheduled Tribes“, den amtlich registrierten Völkern, Minderheitenrechte ein, d.h. sie sieht eine Quotierung im Bildungsbereich, im Staatsdienst und in den Parlamenten vor. Auch gibt es eine Anzahl von besonderen Förderprogrammen zur wirtschaftlichen Entwicklung. Dennoch bedrohen Armut, Analphabetentum und schlechte Gesundheitsbedingungen das Leben der Adivasi auch weiterhin.

Die heute mit staatlicher Unterstützung vorangetriebene Industrialisierung zerstört zunehmend die letzten Rückzugsgebiete der Adivasi. Die Abholzung großer Waldbestände, Staudammbauten, Bergbau- und Militäranlagen haben große Teile des Landes verwüstet und Millionen von Adivasi entwurzelt und zu Bettlern gemacht.

Nur noch eine Minderheit im Bundesstaat Jharkhand

Die Gossner Kirche ist eine „Adivasi-Kirche“: Mehr als 90 Prozent ihrer rund 350.000 Mitglieder sind Adivasi: in Odisha, Chattisgarh, Assam, auf der Inselgruppe Andamanen/Nikobaren und vor allem in dem 2000 neu gegründeten Bundesstaat Jharkhand. Auf die Gründung „ihres“ Staates Jharkhand hatten die Adivasi jahrzehntelang gedrängt. Doch die Hoffnungen, die mit der Staatsgründung verbunden waren, haben sich verflüchtigt.

Hauptursache ist die fortgesetzte systematische Enteignung der Adivasi in dieser Region. Jharkhand ist eine der an Rohstoffen reichsten Regionen Indiens: mit gewaltigen Vorkommen an Kohle, Eisenerz, Glimmer, Bauxit und Kalkstein. Darüber hinaus gibt es beträchtliche Vorkommen an Kupfer, Mangan, Dolomit und Kaolin, vom Waldreichtum ganz zu schweigen. Der natürliche Reichtum steht in scharfem Kontrast zur Armut der Menschen, die hier leben. Die verschiedenen Gemeinschaften der Adivasi, ursprünglich 85 bis 90 Prozent der Bevölkerung Jharkhands, sind am stärksten von der Boden-Ausbeutung, der Industrialisierung und der kommerziellen Nutzung der Wälder betroffen.

Die Ausgleichszahlungen – falls sie überhaupt angeboten werden – liegen weit unter dem Wert des Verlusts. Zudem verlieren die Adivasi mit der erzwungenen Aufgabe ihres Landes ihre Kultur, ihr Wertesystem und ihre Identität. So hat die industrielle Entwicklung in Jharkhand zur Vertreibung, Entwurzelung und Proletarisierung Hunderttausender Adivasi geführt. Durch Migration sind sie heute auch in Jharkhand nur noch eine Minderheit.

Aktuell und engagiert berichtet die Adivasi-Koordination über die Situation der Adivasi.

Nützliche Links

Stiftung Asienhaus
Menschenrechtsorganisation

Indienseite des Auswärtigen Amtes
Fakten, Daten und Reise-Informationen

Centre for Science and Environment
Indische Umweltschutzorganisation

India Resource Center
Kritische Berichte über die Aktivitäten multinationaler Konzerne in Indien.

Frontline
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The Hindu
Indische Tageszeitung
 
India together
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Nordostindien Forum
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