Begeistert von der weltweiten Gossner-Familie
Seit Mai leitet Pfarrer Oliver Fischer die Gossner-Geschäftsstelle in Berlin. Am Freitag, 18. September, 15 Uhr, wird er im Rahmen eines Gottesdienstes im Kloster Loccum offiziell ins Amt eingeführt. Im Interview stellt sich der Direktor vor.
Auf einen fahrenden Zug aufspringen – durchaus eine Herausforderung. Aber die Freude überwiegt! Oliver Fischer, neuer Direktor und seit Mai im Amt, begrüßt den weiten Horizont, die internationalen Begegnungen und die Herzlichkeit der weltweiten Gossner-Familie.
Herr Fischer, Sie haben Ihre Tätigkeit bei der Gossner Mission am 1. Mai begonnen. Was geht Ihnen nun, einige Zeit später, durch den Kopf?
Oliver Fischer (lacht): Ich glaube, ich bin ganz gut auf den fahrenden Zug hinaufgekommen. Seit Beginn bin ich eigentlich ständig im Gespräch mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren. Sowohl bei der Gossner Mission selbst als auch in anderen Bezügen, in denen sie unterwegs ist. Viel Kommunikation und Information, eine neue Art des Arbeitens für mich. Da tut sich ein neuer weiter Horizont auf.
Zu Beginn sind Sie täglich von Wittenberg nach Berlin gependelt.
Oliver Fischer: Umso mehr habe ich mich täglich über die gute Stimmung im Gossner-Team gefreut. Die herzliche und fröhliche Begrüßung am Morgen, gern mit einem Espresso in der Hand, das war eine Wohltat nach der längeren Anreise aus Wittenberg. Und ich genieße die familiäre Atmosphäre, die gegenseitige Wertschätzung, die wohlwollende Hilfsbereitschaft des ganzen Teams. Ich spüre, dass alle mit viel Herzblut bei der Sache sind. Das finde ich sehr schön.
Welches sind die vordringlichsten Aufgaben?
Oliver Fischer: Eine vordringliche Aufgabe sehe ich darin, die Menschen in den Gossner-Regionen kennen zu lernen. Von Hessen bis Hannover, von Dortmund bis Ostfriesland. Ich ahne aber schon, dass das nicht alles so schnell möglich sein wird.
Wie sah Ihr beruflicher Werdegang vor dem Start bei der Gossner Mission aus?
Oliver Fischer: Nach dem Theologiestudium in Berlin, Rom und Heidelberg bin ich an der Grenze zu Polen ins Berufsleben gestartet mit dem Vikariat in Frankfurt (Oder). Danach ging es 15 Kilometer weiter westwärts, nach Müllrose, wo unsere Familie sieben Jahre lebte. Mit den Stationen Gemeindepfarrer, Studierendenseelsorger an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) sowie Krankenhausseelsorger. 2012 ging es für uns nach England, Cambridge, in die „deutschsprachige lutherische Kirche Ostenglands,“ weitere sieben Jahre. Von dort dann 2019 zurück nach Deutschland, diesmal Wittenberg, für mich als Studienleiter und Dozent am Predigerseminar, für meine Frau als Krankenhauspfarrerin. Nach den sieben Jahren dort wartet nun Berlin.
Warum gerade zur Gossner Mission?
Oliver Fischer: Begegnungen mit Menschen verschiedener Konfessionen, auch Religionen, generell Kulturen, haben mich auf meinem Lebensweg sehr bereichert, auf Reisen, aber auch an den Orten, an denen ich gelebt habe. Ökumenisches Arbeiten war mir schon im Studium ein Herzensanliegen. Dann tat sich im vergangenen Jahr mit der Ausschreibung der Gossner Mission eine Tür auf, die mich mächtig anzog. Neben der kulturverbindenden Weite spricht mir das Verständnis des Evangeliums „mit Herz und Hand, in Wort und Tat“ ganz aus der Seele. Ich freue mich, dass ich jetzt durch diese Tür gehen darf, hinein in eine weite Welt.
Im Februar bereits haben Sie eine Reise des Uganda-Freundeskreises Norden nach Uganda begleitet. Mit welchen Eindrücken sind Sie zurückgekehrt?
Oliver Fischer: Ich war noch nie zuvor in Subsahara-Afrika. Ich war sehr beeindruckt von der schieren Energie des Landes. Und von den Kontrasten! Und natürlich war ich beeindruckt von den Menschen. Trotz Terror und Bürgerkrieg, trotz Traumatisierung und großer Armut sind sie nicht gebrochen, sondern strahlen Selbstbewusstsein aus, vielleicht sogar Stolz. Und den Willen, das Leben zu bewältigen, es wieder aufzubauen.
Sie haben natürlich auch die Gossner-Projekte dort besucht.
Oliver Fischer: Ja, und ich bin begeistert, wie unmittelbar sinnvoll diese Projekte sind! Etwa der Bienenzaun: Er schützt Hunderte Menschen ganz konkret gegen marodierende Elefanten in der Erntezeit. Und die neue Wasserversorgung für die Partnerschulen in Gulu und Kitgum – von der Gossner Mission finanziert – garantiert, dass sich die Mädchen und Jungen voll aufs Lernen konzentrieren können, unter würdevollen sanitären Bedingungen.
Zudem hat Sie die Begegnung mit Bischof Kitara sehr beeindruckt.
Oliver Fischer: In der Kultur des Volkes der Acholi haben die Menschen mehrere Namen. Zusätzlich zu ihrem Vor- und Nachnamen bekommen sie irgendwann einen weiteren verliehen. Bei unserer Reise bekamen auch wir jeweils einen Acholi-Namen. Meinen hat mir Bishop Wilson Kitara aus Kitgum gegeben: „Gum“ – das bedeutet „Segen.“ Was für ein Geschenk, dieser Name!
Worauf freuen Sie sich nun bei der neuen Aufgabe besonders?
Oliver Fischer: Auf die Zusammenarbeit mit tollen Menschen hierzulande und in den Projektländern. Zu erleben, wie Selbstermächtigung und Resilienz in unserer gemeinsamen Arbeit in den Projekten Gestalt gewinnen, wie vor allem Frauen und Kinder eine neue Perspektive für ihr Leben gewinnen. Und umgekehrt, wie wir durch die Begegnung mit denen, die unter ganz anderen Bedingungen ihr Leben meistern, auch für uns eine neue Sicht auf die Welt und uns selbst bekommen.
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Die Einführung ins neue Amt findet statt anlässlich der Herbsttagung des Kuratoriums der Gossner Mission am Freitag, 18. September, 15 Uhr, im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes im Kloster Loccum bei Hannover. Anschließend sind die Gäste zu einem Empfang eingeladen.