Vom Rapper zum neuen Regierungschef

Aufbruchstimmung in Kathmandu. Flaggen wehen aus den Fenstern
Aufbruchstimmung in Kathmandu.

Neue Regierung verspricht Reformen und Demokratie

Der neue Regierungschef in Nepal heißt Balendra Shah, ist 35 Jahre alt und war im früheren Leben Rapper von Beruf. Die Menschen im Land hoffen auf Reformen, auf mehr Stabilität und eine Stärkung der Demokratie.  

„Wir hoffen, dass erstmals eine Mehrheitspartei in Nepal regieren wird – voraussichtlich für die nächsten fünf Jahre“, bewertet Kapil Sharma, Manager der Krankenhaus-Trägergesellschaft HDCS den Ausgang der Wahlen. Zu HDCS gehört auch das Krankenhaus Chaurjahari, das seit vielen Jahren von der Gossner Mission unterstützt wird. 

Dass der Wahlsieger so jung ist und keinerlei politische Erfahrung mitbringt, scheint die Menschen in Nepal nicht zu beunruhigen. Im Gegenteil. „Das lässt hoffen, dass Shah frische Ideen mitbringt und gegen die alten korrupten Strukturen angeht, wie er es im Wahlkampf versprochen hat“, so Sharma. Selbstbewusst und integer zu handeln und sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen – das erwarte die Bevölkerung nun von Balendra Shah. 

Kapil Sharma weiß aber auch um die Risiken, vor denen die neuen starken Kräfte im Land nun stehen. „Diplomatisches Geschick, der Umgang mit der Opposition, die Erarbeitung eines Konsenses mit älteren Parteiführern – all das ist Neuland und muss erst mal bewältigt werden. Darüber hinaus ist die Haltung der neuen Regierung gegenüber den christlichen Kirchen noch unklar, und wir beten für Offenheit und Verständnis!“ 

Hoffnungsträger der jungen Generation

Wer aber ist denn nun der designierte Regierungschef? Balendra Shah – oder „Balen“, wie er von allen genannt wird – gilt als Hoffnungsträger der jungen Generation. Er wird wie ein Popstar gefeiert und hat Millionen Follower auf Social Media. Kein Wunder also, dass seine Partei RSP bei den Parlamentswahlen am 5. März einen deutlichen Sieg errang.

Bevor Shah in die Politik ging, machte er sich in der nepalischen Hip-Hop-Szene einen Namen. Er veröffentlichte Songs über Korruption, Ungleichheit und die Probleme der Jugend. Damit traf er einen Nerv in dem kleinen Himalaya-Staat, in dem viele Menschen in bitterer Armut leben. 

Bis Januar war Balendra Shah Bürgermeister von Kathmandu - der erste (damals noch) parteilose Bürgermeister in der Geschichte der nepalischen Hauptstadt. In seiner Amtszeit führte er Live-Übertragungen der Stadtratssitzungen ein, brachte die Müllabfuhr zum Laufen und ging streng gegen illegale Bauten vor. 

Menschenrechtsgruppen allerdings übten öfters Kritik, etwa wegen seines harten Vorgehens gegen die Straßenhändler in Kathmandu.

Konflikt im Nahen Osten trifft auch Nepal

Nun aber warten weitere Herausforderungen auf den Wahlsieger. Arbeitslosigkeit, Massenabwanderung, tief verwurzelte Korruption, Klimawandel. Und der Konflikt im Nahen Osten. 

„Fast zwei Millionen nepalische Arbeiter sind dort beschäftigt“, führt Kapil Sharma aus. „Wenn sie alle zur Rückkehr gezwungen werden sollten, kann das schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für Nepal haben.“

Bei all den Aufregungen und Unsicherheiten ist der HDCS-Manager froh, dass „alle unsere Mitarbeitenden sicher und wohlauf sind. Sie meistern die täglichen Herausforderungen mit großem Engagement und großer Resilienz. Zum Wohle der Menschen in den Projekten, wie etwa im Krankenhaus in Chaurjahari.“

Kapil Sharma betont abschließend, an die Unterstützer:innen in Deutschland gewandt: „Danke, dass Sie unsere Arbeit weiterhin so treu unterstützen. Das stärkt unser Tun! Bitte bleiben Sie uns im Gebet verbunden.“

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