Reisegruppe gedenkt des Märtyrers Luwum

Reiseziel Uganda: Das Foto zeigt eine afrikanische Landschaft bei Sonnenuntergang.
Reiseziel Uganda. © Helmut Kirschstein

Begegnungen, Projekte und politische Themen in Uganda 

Nur wenige Wochen nach den umstrittenen Wahlen in Uganda bricht eine gemeinsame Delegation der Gossner Mission und des Freundeskreises Uganda aus Norden/Ostfriesland dorthin auf. Auf dem Programm stehen Besuche bei Partnern und Projekten.

Begegnungen stärken die Partnerschaft! Und so macht sich am 8. Februar bereits zum zehnten Mal eine Delegation auf den Weg zur afrikanischen Partnerkirche, der Church of Uganda. Zunächst trifft sie auf die Gesprächspartner:innen der Diözese Nord-Uganda in Gulu. Dort schließen sich auch die beiden Freiwilligen, die zurzeit in Gulu bzw. in Kitgum im Einsatz sind, der Gruppe an. 

Bildung und Bienenprojekt im Fokus

„Natürlich besuchen wir die Gulu Primary School, die wir seit vielen Jahren unterstützen und die uns regelmäßig Freiwilligenplätze zur Verfügung stellt“, betont Afrika-Koordinator Dr. Volker Waffenschmidt. Für ihn ist es – vor Beginn seines Ruhestands am 1. März – die letzte Ugandareise in dieser Funktion. Begleitet wird er von seinem Nachfolger Martin Fröschl. 

Von Gulu aus geht es nach Agung, wo die Gossner Mission unter dem Motto „Ein Herz für Bienen“ ein ganz besonderes Projekt unterstützt und wo sie vor mehreren Jahren einen Kindergarten finanziert hat. Zurzeit ist geplant, diese Einrichtung zu einer Grundschule zu erweitern. 

Auch in der zweiten Woche, in der Diözese Kitgum, besucht die Reisegruppe verschiedene Projekte, die von der Gossner Mission gefördert werden. So natürlich das Schul-Projekt in Paloga und die Mädchenoberschule in Kitgum. Dort wurde mit BMZ- und Spendenmitteln soeben ein neuer Waschtrakt errichtet, der nun feierlich übergeben werden soll. 

Zudem trifft sie Gewerkschaftler:innen, eine HIV-Aids-Initiative und Mitarbeitende des Friedensdokumentationszentrums. 

Als Ehrengäste bei Janini-Luwum-Feierlichkeiten dabei

Einer der Höhepunkte der Reise wird sicherlich die Teilnahme an den Feierlichkeiten des Janani-Luwum-Tages sein. Janani Luwum, 1922 im Acholiland geboren, war Lehrer und anglikanischer Priester und ab 1969 Bischof von Nord-Uganda. 1974 – drei Jahre nach dem Putsch des grausamen Diktators Idi Amin – wurde er Erzbischof von ganz Uganda. 

Er widersetzte sich den Ungerechtigkeiten und der Unterdrückung durch den Präsidenten – und starb 1977 bei einem angeblichen Verkehrsunfall. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass er von Sicherheitsbeamten des Diktators – möglicherweise sogar von diesem persönlich –  getötet wurde. In Uganda – und nicht nur dort – wird er bis heute als Märtyrer verehrt. 

Politische Themen liegen bei Reisen nach Uganda auf der Hand – sei es nun beim Besuch des Friedenszentrums, bei der Erinnerung an Janani Luwum oder beim Gedenken an all die Menschen, die während des Bürgerkriegs bis 2006 verschleppt, vergewaltigt und ermordet wurden. „Unter all diesen Gräueltaten leiden die Menschen vor allem im Norden Ugandas bis heute“, so Dr. Waffenschmidt. „Viele sind noch immer tief traumatisiert. Um so wichtiger ist es für uns, verlässlich an ihrer Seite zu stehen.“

Lässt Präsident Museveni Kritiker verschwinden? 

Ob auch die jüngsten Präsidentschaftswahlen vom 15. Januar Thema bei den Gesprächen vor Ort sein werden? 

Ugandas Präsident Museveni ist seit 40 Jahren an der Macht; vor wenigen Tagen wurde er offiziell erneut zum Sieger erklärt. Seitdem häufen sich Berichte, dass er gewaltsam gegen seine Kritiker vorgeht. Lokale Medien berichten, dass mehr als 400 Menschen festgenommen wurden. Etliche von ihnen, die Ungereimtheiten bei der Wahl und der Auszählung angesprochen hatten, seien angeklagt worden. Kritiker seien verschwunden.

Dies bestätigte Oppositionsführer Bobi Wine auf der Internetplattform X. Er selbst ist nach den Wahlen untergetaucht. Nach seinen Angaben wurden mehr als 100 seiner Anhänger getötet; seine Familie steht unter Hausarrest. Bobi Wine ist vor allem bei jüngeren Menschen beliebt, die einen politischen Wandel in Uganda fordern.

Zu den Teilnehmer:innen der Ugandareise zählen auch Gossner-Vorsitzender Dr. Helmut Kirschstein, der zugleich dem Freundeskreis Uganda in Norden vorsteht, sowie der designierte Gossner-Direktor Oliver Fischer, der noch als Privatperson mitreist. Er wird im Mai dem jetzigen Gossner-Direktor Christian Reiser nachfolgen.

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