Premiere: Pfarrerinnen aus Indien zu Gast

Begrüßung der Pfarrerinnen aus Indien in Berlin.
Begrüßung in Berlin.

Deutschlandbesuch stärkt und ermutigt Frauen in Indien

Eine Gruppe von Pfarrerinnen aus Indien ist auf Einladung der Gossner Mission nach Deutschland gekommen. Nach dem Empfang in Berlin wird´s spannend: Die acht Frauen schwärmen in verschiedene Gemeinden in ganz Deutschland aus. Eine Premiere! 

„Wir freuen uns sehr auf die Begegnungen und Gespräche, die uns erwarten“, betont Pfarrerin Sosirita Kandulna, die Frauenbeauftragte der indischen Gossner Kirche, die das Besuchsprogramm mit ins Rollen gebracht hat. Zum dritten Mal hält sich die 47-Jährige in Deutschland auf. Für die meisten ihrer Kolleginnen jedoch ist der jetzige Besuch absolutes Neuland. Zum ersten Mal außerhalb des indischen Kontinents, zum ersten Mal der Spaziergang durchs Brandenburger Tor. 

Pfarrerin Elis Surin etwa ist zwei Tage zuvor im fernen Assam aufgebrochen – zunächst mit dem Flugzeug nach Ranchi und von dort mit den anderen über Delhi nach Berlin. Ein bisschen müde sei sie schon, gibt sie lächelnd zu. „Aber die herzliche Begrüßung im Garten des Missionshauses, mit vielen Wiedersehen, mit Umarmungen, mit der tollen entspannten Atmosphäre – wir sind sehr dankbar, hier sein zu können.“  

Im Jahr 2000 wurde erste Pfarrerin in der Gossner Kirche ordiniert

Die Idee zu dem Deutschlandbesuch war im vergangenen Herbst anlässlich der Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum der Frauenordination in der indischen Gossner Kirche entstanden. Bald danach begannen die Vorbereitungen. Das hieß für die acht Pfarrerinnen aus den verschiedenen Diözesen: Pass und Visum beantragen, Englischkenntnisse verbessern, mehr über deutsche Bräuche und Geschichte lernen.  

„Trotzdem sind wir noch immer ganz fassungslos darüber, dass wir das Vorhaben realisieren konnten und nun tatsächlich in Deutschland sind“, betont Sosirita Kandulna. 

Das sei nur möglich gewesen, weil die Gossner Mission sich für dieses Programm stark gemacht habe und die Frauen in Ulrike Trautwein, der früheren Berliner Regionalbischöfin, eine starke Fürsprecherin gewinnen konnten. „Eigentlich ist es nur den Männern aus der Kirchenleitung erlaubt, nach Deutschland zu reisen“, fügt eine der anderen Pfarrerinnen kritisch hinzu.

“Besuch ist ein historischer Moment”

Das Besuchsprogramm sehen die Frauen als Teil ihres Jubiläums an. Zunächst hätten viele Kollegen den Feierlichkeiten im vergangenen Herbst skeptisch gegenübergestanden, sich dann aber von der Begeisterung der Frauen mitreißen lassen. „Und in dieser Stimmung wurde die Realisierung der Reise dann irgendwie möglich…“

Dass der Kampf um Gleichberechtigung in der Kirche weitergehen wird und zu Hause bald wieder Herausforderungen warten, das ist für die acht Pfarrerinnen keine Frage. Sosirita Kandulna: „Aber erst mal sind wir hier – und das ist großartig! Ein historischer Moment! Es bedeutet Stärkung und Ermutigung für alle Frauen in unserer Kirche – dafür bedanken wir uns bei allen, die diesen Besuch möglich gemacht haben.“

Nach Berlin warten die Gemeindepraktika 

Nach den ersten Tagen in Berlin, unter anderem auf den Spuren des Missionsgründers, reisen die Pfarrerinnen zu ihren jeweiligen Stationen weiter. Fünf Tage Gemeindepraktikum warten – in drei Kirchengemeinden in Berlin, in Dortmund, in Victorbur in Ostfriesland, in Lemgo und Lockhausen in Lippe sowie auf Borkum. 

Sosirita Kandulna: „Das Abenteuer geht weiter.“

Folgende Gottesdienste mit Beteiligung der indischen Pfarrerinnen sind bislang geplant

Pfarrerin Jyoti Tabita Bilung stellt sich im Gottesdienst am Sonntag, 31. Mai, 18 Uhr, in der Gemeinde Lockhausen/Lippe vor.  

Pfarrerin Elis Surin ist am Sonntag, 31. Mai, 10 Uhr, in St. Victor in Victorbur (Ostfriesland) dabei. 

Pfarrerin Pushpa Tuti freut sich auf Begegnungen u.a. am Sonntag, 31. Mai, 10 Uhr, beim Besuch des Gottesdienstes in der Christuskirche, Borkum.

Pfarrerin Idan Topno predigt am Sonntag, 7. Juni, 10 Uhr, in St. Nicolai in Lemgo und am Sonntag, 14. Juni, in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. 

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