In der Tradition von Joseph Beuys

Christian Reiser und Gerard Minnaard stehen nebeneinander auf dem Balkon des Missionshauses in Berlin. © Jutta Klimmt
Christian Reiser, Gerard Minnaard. © Jutta Klimmt

Gemeinschaftsaktion gegen Angst und Ohnmacht

Eine große Gemeinschaftsaktion in krisenhafter Zeit: „Das hat einen symbolischen Charakter. Wir tun etwas. Gemeinsam. Für die Gemeinschaft.“ Dazu laden Gossner Mission und Woltersburger Mühle gemeinsam ein.

„One World – one Future“: Unter diesem Motto treffen sich junge Leute aus dem In- und Ausland vier Tage lang, vom 2. bis 5. Oktober 2025, in der Woltersburger Mühle bei Uelzen. Ihr Vorhaben: Gemeinsam den Oldenstädter See und den angrenzenden Wald von Müll befreien, über Nachhaltigkeit diskutieren und ein „Denk-Mal“ schaffen, indem der gefundene Müll unter der Anleitung einer Künstlerin transferiert wird. Natürlich auch dabei ist Gossner-Direktor Christian Reiser. 

Mit Schlauchboot und Unterwasserdrohne

Ein spannendes Projekt! Und es soll keine Einmalaktion bleiben. Wir sprachen darüber mit Gerard Minnaard. Er ist Kurator der Gossner Mission, Geschäftsführer der Woltersburger Mühle und Koordinator des Projektes.

Wie kam es zu der Idee, den Oldenstädter See zu reinigen? Mit jungen Freiwilligen aus der Region und aus dem Ausland, aber auch mit Taucher:innen und Freiwilligen des THW, die mit Schlauchboot und Unterwasserdrohne anrücken? 

Gerard Minnaard: Vor langer Zeit hatten wir mal die Idee, den See zu reinigen und mit dem Müll ein Mahnmal zu installieren. Diese Idee habe ich nie vergessen. Es gibt selten ganz neue Ideen oder Projekte ... Oft ist es etwas, das man mal gehört oder gelesen hat. Ich habe für solche Sachen ein „eisernes Gedächtnis" – und liebe es, konkret weiter zu denken. Der Philosoph Ernst Bloch hat von „konkreter Utopie" gesprochen. Auch solche Stichworte bleiben hängen.

Hat die Woltersburger Mühle Erfahrungen mit solchen Aktionen?

Gerard Minnaard: Wir haben Erfahrung mit Projektentwicklung. Letztes Wochenende hatten wir ein größeres Bio-Foodstock-Festival: zunächst einen Kochwettbewerb draußen mit sechs Teams und einem Sternekoch, der das Ganze begleitet hat. Am zweiten Tag, am Sonntag, einen Naschmarkt mit 15 Biobetrieben und Foodtrucks. Ein anderes Beispiel: Wir sind Träger des Projektes „Uelzen – Essbare Stadt". Mit verschiedenen Gruppen (u. a. auch mit geflüchteten Frauen) betreuen wir elf kleine Beete bzw. Hochbeete in der Stadt.

Wie sollen die Tage im Oktober konkret aussehen? 

Gerard Minnaard: Am Donnerstag geht es los mit Ankommen und Kennenlernen. Am Freitag, Samstag und Sonntag geht es dann an den See und in den Wald. Am Samstag um 15 Uhr ist Pause angesagt. Dann erwarten wir Ministerin Melanie Walter, Landrat Heiko Blume und Bürgermeister Jürgen Marquardt. Am Abend wollen wir gemeinsam grillen, und am Sonntag gibt es um 15 Uhr einen öffentlichen Abschluss mit Kaffee und Kuchen an der Mühle.

Und wie kommt die Künstlerin ins Spiel? 

Gerard Minnaard: Niemand weiß, was gefunden wird. Es ist deshalb auch unklar, wie das Kunstwerk aussehen kann. Wir haben Petra Vollmer eingeladen, eine Künstlerin in der Tradition von Joseph Beuys. Sie wird vermutlich ein temporäres Mahnmal entwickeln. Da sind wir selbst sehr gespannt. 

Ist die Aktion als Einmalaktion geplant oder sind Folgeaktionen in den kommenden Jahren vorgesehen?

Gerard Minnaard: Ich hoffe, dass die Gossner Mission sich entschließt, einmal jährlich eine große Gemeinschaftsaktion zu organisieren. Nach dem Motto: „One world – One vision“. Und: „Hands on“. Wir hatten das Ganze ja im Ausschuss „Gossner In Deutschland“ geplant. Das sollte auch künftig eine Aktion sein, die in Kooperation mit mehreren regionalen Partnern geplant und durchgeführt wird. Ich würde es begrüßen, wenn wir als Woltersburger Mühle eine solche Aktion einmal jährlich, Anfang Oktober, mit der Gossner Mission zusammen hier bei uns organisieren würden. 

Eine große Gemeinschaftsaktion hat in dieser krisenhaften Zeit einen symbolischen Charakter. Wir tun etwas. Gemeinsam. Für die Gemeinschaft. So können wir zeigen, dass es möglich ist, miteinander Ohnmacht, Angst, Spaltungen, Zersplitterung und Einsamkeit zu überwinden. 

Die Woltersburger Mühle ist also bereit für mehr? 

Gerard Minnaard: Auf alle Fälle! Ich hoffe, dass der Ausschuss „Gossner in Deutschland" sich mit dieser Aktion in Deutschland wegweisend zurückmeldet. Für mich natürlich gerne mit der Woltersburger Mühle als Zentrum. „Das neue Mainz“ sozusagen – mit einem neuen Konzept.

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