Chaurjahari: Wer hier arbeitet, gibt alles

Chaurjahari: Dr. Esther Shah. Eine junge Frau im roten Fleecepullover und mit Stethoskop um den Hals steht lächelnd vor einem Krankenhausgebäude.
Chaurjahari: Dr. Esther Shah. © HDCS

Dr. Esther Shah hat sich bewusst für Chaurjahari entschieden

Im Hospital Chaurjahari arbeitet ein junges, sehr engagiertes Team, das sich hingebungsvoll um die Patienten kümmert. Dr. Esther Shah gehört zu den jungen Ärztinnen, die sich ganz bewusst für das Leben und Arbeiten in der entlegenen Bergregion entschieden haben.

Eine kleine Gesundheitsstation in den Bergen – so fing die Arbeit in Chaurjahari vor vielen Jahren an. Heute behandelt das Krankenhaus mehr als 100.000 Patienten im Jahr. Das wäre ohne die Menschen, die dort voller Einsatz tätig sind, nicht möglich. Wir sprachen mit Dr. Esther Shah, einer jungen Ärztin, die voller Überzeugung in Chaurjahari arbeitet und beherzt allen Schwierigkeiten trotzt.

Zu studieren und den Beruf der Ärztin zu ergreifen – das ist in Nepal heute noch immer schwierig für eine junge Frau. Wie kamen Sie dazu?

Dr. Esther Shah: Schon als kleines Mädchen hatte ich diesen einen Traum – Ärztin werden! Ich wuchs in einer Lepra-Station auf, denn meine Mutter litt unter dieser schrecklichen Krankheit. So erlebte ich aus nächster Nähe, wie die Ärzte und Schwestern die Wunden meiner Mutter mit viel Mitgefühl und Sorgfalt behandelten. Und wie wichtig ihre Arbeit für das Wohlergehen unserer ganzen Familie war! Ich habe damals erfahren, was es bedeutet, von der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein. Das Krankenhaus war der einzige Ort, an dem ich das Gefühl hatte, dass meine Mutter wirklich akzeptiert wurde. Damals beschloss ich, dass auch ich später anderen Menschen Hilfe und Fürsorge schenken will. 2015 begann ich mit dem Medizinstudium; und jetzt bin ich hier im Hospital Chaurjahari!

Aber warum haben Sie sich gerade für diesen entlegenen Ort entschieden? Weit ab in den Bergen?

Dr. Esther Shah: Ich will dort sein, wo ich am meisten bewirken kann, wo ich den Menschen Hoffnung geben kann! Wenn wir in kleinen Teams zu Gesundheitseinsätzen in die Berge aufbrechen, wenn sich dort lange Schlangen bilden, weil die Menschen auf Hilfe hoffen, auf Linderung ihrer Leiden, dann weiß ich, dass ich das Richtige tue! Alle Menschen haben das Recht auf den Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung!

Gibt es einen Moment, an den Sie sich besonders gern zurückerinnern? 

Dr. Esther Shah: Es gab viele! Vor allem bei diesen Bergeinsätzen. Aber mir fällt ein Gespräch mit Dil Giri, unserem Krankenhausverwalter, ein. Es war an einem meiner ersten Tage hier. Er kam zu mir und sagte, dass das ganze Team in Chaurjahari stets alles gibt, um das Beste für die Patienten zu erreichen. Und dass alle immer füreinander einstehen, um alles Gute und alles Schwierige gemeinsam zu meistern. Das hat mich und meine Arbeit geprägt. Das Hospital Chaurjahari hat mich Teamwork und zugleich Unabhängigkeit gelehrt. Und außerdem ist die Landschaft ringsherum so bezaubernd und reizvoll. Das entschädigt für manche Entbehrung, die die abgelegene Lage natürlich mit sich bringt. 

Gibt es auch Schwierigkeiten, mit denen Sie bei Ihrer Arbeit zu kämpfen haben? Was gibt Ihnen die Kraft, mit Problemen umzugehen?

Dr. Esther Shah: Die Arbeit in einer ländlichen Gegend wie dieser ist definitiv eine Herausforderung. Wir müssen mit sehr begrenzten Mitteln arbeiten, es gibt keine Blutbank, keine Transportmöglichkeiten und zu wenig medizinisches Personal. Viele Menschen leben in großer Armut und in sehr entlegenen Siedlungen. Daher glauben viele noch an die Kraft der traditionellen Dorfheiler. Wir müssen Vertrauen zu diesen Menschen aufbauen. Dazu bedarf es großer Geduld! 

Das Interview führte Karin Döhne von der Gossner Mission. 

jung. engagiert. gossner! – Schwerpunktthema der Ausgabe 2/2025 unserer Zeitschrift „Gossner.“

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