Begegnung erweitert Horizonte

Pfarrerinnen in Indien.
Pfarrerinnen in Indien.

Acht Pfarrerinnen aus Indien zu Gemeindepraktika erwartet

Den Horizont erweitern: Das wollen acht Pfarrerinnen der indischen Gossner Kirche, die zu einem Gemeindepraktikum nach Deutschland kommen. Eine Chance auch für die gastgebenden Gemeinden. 

Ein bisschen Aufregung ist dabei – auf beiden Seiten. In Indien bereiten sich acht Pfarrerinnen der Gossner Kirche seit Monaten auf ihre Reise nach Deutschland vor. Pass und Visum beantragen, Englischkenntnisse verbessern, mehr über deutsche Gebräuche lernen – all das beschäftigt die acht Frauen, seit sie wissen, dass das Besuchsprogramm wirklich steht und realisiert wird. 

Aber auch die Gastgeberinnen bereiten sich vor: Welche Gemeindekreise sind gemeinsam zu besuchen? Was muss beim gemeinsamen Kochen und Essen beachtet werden? Und wie kann man die eigene Gemeinde am besten mit ins Boot nehmen? 

25. Ordinationsjubiläum war Auslöser für die Einladung 

Hintergrund für die Einladung nach Deutschland ist das 25. Ordinationsjubiläum der Frauen in der Gossner Kirche im vergangenen Jahr. „Im Oktober konnte ich in Ranchi das Jubiläumsfest mitfeiern“, berichtet Ulrike Trautwein, Vorsitzende des Indienausschusses der Gossner Mission und frühere Berliner Regionalbischöfin. „Gemeinsam haben wir vor Ort Pläne geschmiedet und die ersten Schritte zur Vorbereitung der Reise überlegt.“

Nun ist es in Kürze so weit. Ende Mai werden die acht Pfarrerinnen in Berlin erwartet und nach zwei Tagen „auf den Spuren des Missionsgründers“ weiterreisen. Vom 30. Mai bis 4. Juni werden sie Kolleginnen kennenlernen, ins Gespräch kommen und während eines Praktikums in verschiedenen Regionen mehr über die Gemeindearbeit hierzulande erfahren – in Berlin und Lippe, in Westfalen und Ostfriesland.

„In den jeweiligen Gemeinden können sie eine Woche lang miterleben, wie ihre deutschen Kolleginnen ihr Pfarrerin-Sein verstehen und wie sie arbeiten“, so Trautwein. „Anschließend wollen wir diese Zeit gemeinsam auswerten und dabei natürlich auch von den Erfahrungen der indischen Kolleginnen in ihren Gemeinden zu Hause hören. Das wird für alle sehr bereichernd sein.“ 

Zum guten Schluss wird es dann noch touristisch: Der Besuch einiger Lutherstätten steht auf dem Programm. 

Pfarrerinnen kämpfen noch um Gleichberechtigung

Ulrike Trautwein hat bei ihrem Besuch in Indien 2025 auch erfahren, dass der Alltag für die dortigen Pfarrerinnen nicht immer einfach ist: „25 Jahre sind kein langer Zeitraum. Noch dauert es, bis die Frauen gleichmächtig ihre Kirche mitgestalten können.“ Ein Stück Stoff symbolisiere nach wie vor die mangelnde Gleichstellung: Die Pfarrerinnen sollen ihren Kopf mit einem weißen Kopftuch bedecken, wenn sie Gottesdienst halten.

„Manche Kolleginnen stören sich nicht daran, andere kämpfen hartnäckig gegen diese Kleidervorschrift, verweigern das Tragen des Kopftuches und nehmen dafür Benachteiligungen in Kauf“, so die frühere Regionalbischöfin. Anhand dieser „Kopftuchfrage“ werde deutlich, wie schwer sich Männer nach wie vor tun, Frauen wirklich auf Augenhöhe zu begegnen. 
Ulrike Trautwein: „Dazu müssen wir nicht im übrigen nicht nach Indien schauen; in unserer Gesellschaft gibt es an dieser Stelle genug zu beklagen.“ 

Spannend werde der intensive Austausch während der Woche des Gemeindepraktikums allemal. „Aber ich bin optimistisch und sehr gespannt darauf, wie die indischen Schwestern auf unser kirchliches Leben hier in Deutschland reagieren werden, wie sie mit uns zurechtkommen und was wir gegenseitig voneinander lernen können.“  

Einige öffentliche Termine sind bereits geplant, u.a.: 

Pfarrerin Jyoti Tabita Bilung in der Gemeinde Lockhausen/ Lippe
-    Sonntag, 31. Mai, 18 Uhr, Gottesdienst 
-    Dienstag, 2. Juni, 15 Uhr Gemeindenachmittag 

Pfarrerin Idan Topno in St. Nicolai Lemgo
-    Sonntag, 7. Juni, 10 Uhr, Predigt im Gottesdienst