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Herzlich Willkommen in meinem Reiseblog
![]() Liebe Gossner-Freunde,
rund zehn Tage lang werde ich unsere Partnerkirche in Indien, die Gossner Kirche, besuchen. Es handelt sich um einen Arbeitsbesuch – und trotzdem wird sicherlich Zeit sein, interessante Eindrücke und Neuigkeiten aufzunehmen. Begleiten Sie mich doch einfach. Ich freue mich schon auf Ihre Rückmeldungen. Ihr Ulrich Schöntube Ranchi 19.1. Endlich: Wasser aufs Haupt Auf den Straßen ist morgens viel los. Durch einen großen Strom von neuen Kleinwagen -die Neuwagen haben um 50% zugenommen seit letztem Jahr – Rikschafahrern, Fussgängern und voll besetzten Motorrikschas bahnt sich unser Auto den Weg. Wir fahren Richtung Süden aus der Stadt heraus, gegen den morgendlichen Hauptverkehr. Unsere erste Station heißt Govindpur. Hier gründeten die Missionare im 19. Jahrhundert eine ihrer ersten Missionsstationen, benannt nach dem Missionsgründer (Gossnerpur = Govindpur). Heute beherbergt der Ort einige Schulen der Gossner Kirche, eine große Kirche, ein Altersheim und eine Ausbildungsstätte für Dorfdiakone. Sie werden Pracharaks bzw. Pracharikas genannt. In der Regel sind einem Pfarrer, der auf dem Land ebenso wie in Brandenburg 10-15 Dörfer zu betreuen hat, vier bis fünf solcher Diakone zugeordnet. Sie leben mit den Menschen im Dorf und nehmen die eigentlichen pastoralen Aufgaben vor Ort war. Die Kirche vermag so in der Fläche präsent zu sein. Seit den 80-er Jahren hat die Gossner Kirche eine bestimmte Ausbildungsform für die Diakone entwickelt. Im ersten Studienjahr lernen die Pracharaks im sogenannten „New Life Light Center“ landwirtschaftliche Dinge, mitunter auch Autoreparatur etc. In den beiden folgenden Jahren erhalten sie dann eine theologische Ausbildung. Die Studenten empfangen uns mit dem üblichen Ritus. Wir werden mit Wasser besprengt, die Hände werden gewaschen, Blumenketten werden umgehangen und dazu wird gesungen. Der Ritus hat eine christliche Bedeutung erfahren. Die wiegende Bewegung des Tanzes und das Wasser korrespondiert sehr oft mit dem Lied: „Der Strom des Lebens bringt dich her, weit bist Du gefahren, nimm unseren Gruß an.“ Ursprünglich geht diese Art sich zu Grüßen auf die Zeit zurück, in der die Adivasi von der Jagd lebten. Die Frauen eilten den Männern entgegen, wenn sie am Dorfeingang mit der Beute erschienen. Sie besprengten sie mit Wasser, wuschen die Füße sangen und tanzten dazu. Wahrscheinlich stammt der heutige Begrüßungsritus aus dieser Zeit. Nur antsatt der Füße werden heute die Hände gewaschen. Wir gehen ja auch nicht mehr jagen. ![]() Doch nun zu den Studenten. Den Besuchern wird berichtet, wer aus welcher Diözese stammt und dass die glücklich sind diese Ausbildung zu machen. Sie wurden von ihren Kirchenkreisen geschickt. Ich frage nach der Ausbildung, wie bei den anderen Besuchen zuvor. Sie erzählen aus dem zweiten und dritten Jahr. „Und habt ihr im ersten Jahr nichts gelernt?“ Schweigen. Dann traut sich einer und sagt: „Sir, wir kommen vom Dorf und wissen schon, wie man Reis anpflanzt und wie man mit einer Kuh umgeht. Wir wollen mehr wissen, was wir noch besser machen können. Wir brauchen einen Experten für Landwirtschaft, damit wir etwas Neues lernen.“. Im weiteren Gespräch kommen wir auch darauf, dass eine Basisgesundheitsausbildung in dem ersten Jahr wünschenswert wäre. Im anschließenden Gespräch mit dem Prinzipal diskutieren wir die Möglichkeiten, wie der Standart im ersten Jahr gehoben werden kann. Es gibt viel zu tun. Aber die Existenz der Kirche vor allem auf dem Land wird davon abhängen, wie gut die Pracharaks ausgebildet sind. Nach diesem Gesprächen besuchen wir noch das Altersheim, wie auf dem Bild zu sehen. Unser Liaison Officer Alex Nitschke bekommt Riesenpapayas geschenkt.
![]() ![]() Unsere nächste Station ist die Stadtgemeinde Kunthi. Hier treffen wir den Bischof der Süddiözese J.M. Topno. Er hatte uns als Familie vor zwei Jahren, als er noch Pfarrer war, zu Hause mit einer Besuchergruppe besucht. Wir hatten zusammen Kartoffeln geschält und uns köstlich unterhalten. Leider hatte er vor zwei Monaten einen Schlaganfall und hat sichtlich Mühe die linke Hand und das linke Bein zu bewegen. Nichtsdestotrotz ist er sehr wach. Wir verabreden, dass der YMCA aus Ranchi in seiner Region die Projekte in der Dorfregion in Maranghada in Kooperation mit den Gemeinden betreuen wird. Damit schließt sich der Kreis zu den Gesprächen vom Montag.
Weiterhin erzählt er, dass seine Arbeit durch die Naxaliten kaum beeinträchtigt wird. Ich hatte über diese Bewegung schon geschrieben. Wenn immer er in ländlichen Regionen fährt, wissen die Rebellen durch die lokalen Pastoren schon Bescheid. Er bekommt gewissermaßen einen Geleitschutz, mitunter auch bewaffnet. Um erkannt zu werden, hat er auf die Frontscheibe seines Autos geschreben, wer er ist. Nun fährt er hupend durch die Wälder, um sich anzukündigen und von der Polizei zu unterscheiden. Die Situation hat sich deutlich zugespitzt. Erst am Sonntag wurden sieben Menschen exekutiert in den Wäldern um Kunthi und mit Steinen und Messern "unkenntlich" gemacht. Es gibt zur Zeit kaum einen Weg aus der Gewalt, da auch die Regierung mit Gewalt antwortet. "Es ist ein Wunder", sagt er, "dass ihr heute so frei hierher fahren konntet." Da die Sonne sich anschickt zu sinken und wir zu unserer nächsten Station ein Waldstück vor uns haben, empfiehlt er, dass wir nun doch bald aufbrechen. Unsere nächste Station ist die Berufsschule das Technical Training Center in Fudi. In der Einrichtung bietet die Gossner Kirche jungen Menschen eine Ausbildung in Schweißen, Tischlerei, Metallbearbeitung und Elektrik an. Erst im Dezember hatte die Einrichtung ihr 50. jähriges Jubiläum. Ich bin beeindruckt. Der Leiter der Einrichtung Pfarrer Gagrai, der einmal drei Jahre lang in einer Kirchengemeinde in Marzahn mitarbeitete, begrüßte mich auf Deutsch: „Guten Tag. Da seid ihr endlich“. Auf meine Frage, wie es ihm gehe: „Es macht Spaß hier arbeiten zu dürfen.“ Vor einem Jahr machte das Ganze einen etwas ruinösen Eindruck. Doch nun ist alles frisch renoviert, Blumenrabatten säumen die Wege, alles ist ordentlich und sauber. Neben einer Zeremonie, in der für mich das Jubiläum nachgeholt wird – es wird eine Plakette feierlich überreicht – besichtige ich neu errichtete Klassenräume. Die Gossner Mission hat zur Aufwertung des Elektrikerkurses und zu dessen staatlicher Anerkennung mit Hilfe der westfälischen Kirche 50.000 Euro investiert. Das Projekt wurde durch Helmut Hertel, einen ehemaligen Lehrer der Berufsschule begleitet. In dem Gespräch mit den Studenten erzählen sie vom Jubiläum. Jugendliche einer Berufsschule aus Emden waren da – junge Mädels, die Fussball mit den Jungs spielten. Die Äuglein leuchten immer noch davon. Große Pläne hat die Einrichtung. Sie wollen eine Partnerschaft mit den Emdenern beginnen und ihr Englisch dazu aufbessern. Pfarrer Gagrai wird in diesem Jahr nach Deutschland kommen. Hoffentlich ist der neue Ausbildungsgang bis dahin staatlich anerkannt. Die Verhandlungen dazu laufen. Sollte das gelingen, wird die Einrichtung von deutscher Unterstützung unabhängig werden. Endlich.Endlich bin ich daheim angelangt. Es war ein langer Tag. Nun bereite ich mich noch auf die Gespräche für morgen vor. Auf dem Programm steht die Vergabe von Stipendiengeldern für die Theologische Ausbildung neu zu regeln. |
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