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Herzlich Willkommen in meinem Reiseblog
 
 
Liebe Gossner-Freunde,

rund zehn Tage lang werde ich unsere Partnerkirche in Indien, die Gossner Kirche, besuchen. Es handelt sich um einen Arbeitsbesuch – und trotzdem wird sicherlich Zeit sein, interessante Eindrücke und Neuigkeiten aufzunehmen. Begleiten Sie mich doch einfach. Ich freue mich schon auf Ihre Rückmeldungen.

Ihr
Ulrich Schöntube
 
 

Ranchi, 17.1. - Lehm und Bibel

Wie jeden morgen frühstückte ich mit Hartmut Grosch. Diesmal tranken wir den zweiten Kaffee in der Sonne. Dann ging jeder an sein Tagwerk. Er machte sich an die Arbeit der Herausgabe des Gesangbuches mit Notenschrift. Darum hatte ihn die liturgische Kommission gebeten. Manisch Kachap, der eine Orgelbaulehre bei Schuke absolvierte, unterstützt ihn kräftig dabei. Von Zeit zu Zeit erkundigen sich unsere Freunde über den Fortgang. Gestern berieten zum Beispiel Daisy Kongari, die drei Jahre in Deutschland lebte, und Bischof Dang den Rheinsberger Kantor. 
 
Mein Tagwerk begann heute Morgen im Marthakindergarten. Die Gossner Mission konnte ihn mit großzügiger Unterstützung der Hannoverschen Landeskirche bauen. Die Arbeit wurde liebevoll und praktisch durch den Mahila Sang, der Frauenverbindung der Kirche, und durch Helga Ottow ehrenamtlich begleitet. Die Kinder, deren Eltern Tagelöhner und Rikschafahrer sind, trugen alle dicke Wollmützen. Ein heiterer Anblick. Erst war es recht steif und ein Kind weinte sogar vor Angst. Meine Mädels wären in einer solchen Situation bestimmt auch recht zurückhaltend. Doch mit ein paar Bällen, die wir uns zuwarfen, brach das Eis und sie spielten ganz ungezwungen mit uns. Höhepunkt war das Pflanzen der Bäume. Zwei Eibenbäumchen und eine mir unbekannte lokalen Pflanze wühlte ich mit Esran Bhengra und Johann Dang in den Lehm von Chotanagpur. Die Kinder klatschen bei jedem Bäumchen. Ob sie anwachsen werden und sie einmal so groß werden wie der Schattenspendende Litschibaum? Er schützt heute die Veranda des Hauses.

Die nächste Station war das Human Ressource Development Center. Ich erzählte bereits über dessen Arbeit. Heute versammelten sich hier einige Gruppenleiter, mit denen wir ein Programm gemeinsamen Bibellesens beginnen wollen. Die Idee ist, dass eine deutsche Gruppe und eine indische Gruppe sich über die Erfahrungen austauschen, die sie mit biblischen Texten machen. Dazu wurden sechs Texte und die gemeinsame Methode des Bibelteilens verabredet. Es war für die Gruppen der Gossner Kirche die Einführungsveranstaltung. Es galt zu erklären, dass nicht der Pastor, sondern die Gemeindeglieder zu Wort kommen sollen; und es galt die Methode des „Bibelteilens“ –„Bible Sharings“ einmal zu üben. Wir versuchten uns an Psalm 126: „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, werden wir sein wie die Träumenden ... der Herr hat Großes an uns getan.“ Es dauerte etwas bis es ein richtiges Gespräch wurde. Doch dann nahm es Fahrt auf.
 
Ihre Interpretation: „Gott hat Großes getan, als wir Christen wurden durch Gottes Hand und die Missionare. Wir sind befreit von den Geistern, den Kasten. Aber es gibt Gefangenschaften. Das ist zum Beispiel die Gefahr, das Land zu verlieren, die Frauen nicht zu ihren Rechten kommen zu lassen, die Güter der Erde nicht gerecht zu verteilen. Die Gefangenschaften betreffen uns auch in der Kirche. Einige verlassen sie, weil wir nicht lebendig von Gott reden. Die Freiheit Zions ist ein noch währender Prozess.“ Besonders das letzte Beispiel war mutig gesprochen und ich hoffe die beiden anwesenden Bischöfe haben das ertragen. Denn natürlich wächst die Kirche jedes Jahr um 3-4% aufgrund der Missionsarbeit, aber es gibt eben auch Menschen, die sie verlassen.

Im Gegenzug erzählte ich Ihnen, wie eine deutsche Gemeindegruppe in Weissensee darüber denkt, mit der ich denselben Text in der letzten Woche las. Wir entdeckten Ähnlichkeiten aber auch große Unterschiede in den Lebenswelten. Das ganze Gespräch macht Lust auf mehr. Der Anfang ist nun gemacht. Wenn ich wieder in Berlin bin, werden wir endlich ein paar Gruppen aneinander vermitteln können.

Dann gegen den späteren Nachmittag, kam es zu einer Begegnung mit der Jugendgruppe von Ranchi. Die Jugendlichen organisieren die Sonntagsschule. Einmal im Jahr führen sie ein 10-tägiges Bible-Camp durch. Sie haben Pläne. Am liebsten wollen sie einen Ort haben, ein Haus. Recht konkret sind die Bedürfnisse. Es soll Platz sein, Musik zu machen, es sollen Kurse für Bewerbungstraining möglich sein, ein Raum für Spiele und ein Internetcafe soll es geben. Es gibt dazu ein Grundstück. Ich hatte mir am Sonntag das Grundstück mit Alice Dungdung angesehen. Sie trat dabei in einen Haufen Kuhmist und kochte. Ich beschrieb meine Eindrücke. Daraufhin fingen sie an zu diskutieren. „Ja es ist unser Grundstück“, sagten sie. „Wir wollen es in Ordnung bringen und den Platz einnehmen.“ Sie verabredeten sich für den Sonnabend. Auf dem Programm soll stehen: Müll wegräumen und einen Aktionsplan zur Vorrichtung des alten dort stehenden Hauses aufstellen. Ich bin gespannt.
 
 
Das ist die
tückische
Wiese!