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Herzlich Willkommen in meinem Reiseblog
![]() Liebe Gossner-Freunde,
rund zehn Tage lang werde ich unsere Partnerkirche in Indien, die Gossner Kirche, besuchen. Es handelt sich um einen Arbeitsbesuch – und trotzdem wird sicherlich Zeit sein, interessante Eindrücke und Neuigkeiten aufzunehmen. Begleiten Sie mich doch einfach. Ich freue mich schon auf Ihre Rückmeldungen. Ihr Ulrich Schöntube Ranchi, 16.01. - Zarter Frauengesang und Gespräche Heute Morgen trat ich nach dem Frühstück vor das Haus. Seidene Luft empfing mich, herrlich schien die Sonne. Endlich etwas Wärme. Zarter Frauengesang eines Chorals schwebte dahin. Bei einem Blick über den Zaun sah ich im benachbarten Lehrerinnen-College eine züchtige Versammlung. Dicht beieinander standen die Studentinnen zur Andacht. Ihre grünweißen Sari waren umhüllt mit bunten Wolltüchern. Welch friedlicher Anblick. Für mich stand heute ein Gespräch zwischen der Kirchenleitung und der Leitung des YMCA (Young Mens Christian Association) auf dem Programm. Die Gossner Mission unterstützt die Arbeit dieser Organisation mit jährlich 10.000 Euro. Damit führt das YMCA Programme zur Förderung von Selbsthilfe Gruppen durch. Zum Beispiel unterhält eine Gruppe ein kleines Fuhrgeschäft und baut mit den Einnahmen ein Kleinkreditsystem auf. Unsere Idee war vor einem Jahr, dass die Gossner Kirche in der Region Maranghada (südlich von Ranchi), diese Programme mit ihren Gemeinden vor Ort verbindet. Die entscheidenden Absprachen konnten nun während unseres Gesprächs getroffen werden.Der Fortgang der Arbeit des YMCA in dieser Region wird von dieser Verbindung abhängen. Denn sie haben ihr Fachpersonal im letzten Jahr zurückziehen müssen. Der Grund sind die immer häufigeren Übergriffe der sogenannten Naxaliten. Das ist eine gewaltsame Protestbewegung, die den ländlichen Raum weitgehend kontrolliert. Schutzgelder werden erpresst, auch eine Familie wurde kürzlich entführt. Die Kirchen gewärtigen in dieser Region das Problem, dass ihre eigenen Jugendlichen sich den Naxaliten anschließen. Sie erhalten dafür 5.000 Rupien pro Monat (70 Euro). Die Regierung antwortet auf die Naxalitenbewegung mit der Operation „Green Hunt“. Gewaltsam gehen sie gegen die Naxaliten und die Jugendlichen vor. Kürzlich haben sich einige in einer katholischen Kirche verschanzt, die durch die Polizei kurzerhand eingeäschert wurde. In dieser Situation ist eine Entwicklungsarbeit kaum möglich. Weiterhin wird die Situation im ländlichen Raum durch systematisches Landgrabbing erschwert. Es wird in der Regierung gegenwärtig diskutiert, ob der einst von einem Gossner Missionar initiierte Chotanagpur Tenency Act von 1910, der das Land den Adivasi sichert, ergänzt werden soll. Demgemäß könne der Staat einen 5 km breiten Streifen seitens der Straßen beanspruchen. Die Kirchen und auch weitere Organisationen der Adivasi sind dabei sich zusammenzuschließen, um sich politisch Gehör zu verschaffen. Nachmittags besuchte ich die Missionsabteilung der Kirche, das sogenannte Human Ressource Development Center. Mit seinem Missionsdirektor Bischof Hemrom und dem Buchhalter der Kirche Joseph Sanga klärte ich Fragen der letzten Abrechung. Die Gossner Mission unterstützt mit jährlich 55.000 Euro die Sozial- und Missionsarbeit der Kirche. Bischof Hemrom betreut einige Dorfentwicklungsprogramme, die durch Dorfdiakone in den Missionsfeldern durchgeführt werden. Jeder Kirchenkreis hat ein Missionsfeld, ein Feld in dem er seine Kräfte bündelt, um zu wachsen. Das ist ein tolles Modell einer Kirche, die sich nicht schämt das Wort „Mission“ zu gebrauchen, obwohl dies durch die Regierung kritisch gesehen wird. Im Bundesstaat Orissa, so weiß Bischof Hemrom zu bereichten, wird die Arbeit durch sogenannte Antikonversionsgesetze behindert. Demnach ist es verboten zu einer anderen Religion als dem Hinduismus zu konvertieren.In dem Gespräch entwickeln wir die Idee weiter, dass eine Pfarrerein aus Sambia, die Spezialistin für Gemeinwesenarbeit mit Frauen, die Programme der Gossner Kirche unterstützen wird. Vielleicht schaffen wir es in den nächsten Monaten einen Süd-Süd-Austausch auf die Beine zu stellen.
Später dann besucht mich der stellvertretende Moderator Bischof Dang in meinem Quartier. Wir trinken Tee und tauschen uns über viele Fragen der Partnerschaft aus. Heute Abend bin ich bei Familie Ekka eingeladen. Hier wird unser ökumenischer Freiwilliger ab August wohnen. Ich bin gespannt.
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