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Jubiläumstagung

„Mission denkt in langen Zeiträumen“
Seit 175 Jahren missionieren die Gossner Mission, die Norddeutsche Mission und das Leipziger Missionswerk die Welt. Auf einer Tagung in Meißen begingen sie ihr gemeinsames Jubiläum: Teilnehmer aus Deutschland, Afrika, Indien und Papua-Neuguinea diskutierten Geschichte, Gegenwart und Zukunft der evangelischen Mission. Und sie spielten auf: „The Gossners“, vier junge Adivasi aus Indien, gaben gemeinsam mit Posaunisten aus Berlin ein Konzert im Meißner Dom.

Dem Begriff „Mission“ werde heutzutage wie einem Störenfried begegnet, eröffnete Akademieleiter Johannes Bilz die Tagung. Es scheine, als sei Mission so etwas wie „religiöser Hausfriedensbruch“. Da tat es gut, dass Idan Topno vom Theological College der Gossner Kirche gleich im Anschluss eine ganz andere Sicht auf Mission und Missionare ergänzte. Für die Adivasi, entrechtete Ureinwohner, seien die Missionare Befreier gewesen.

Das war nur einer von vielen Anstößen, über lieb gewonnene Gewissheiten nachzudenken. Man kam ins Gespräch; was nicht zuletzt an der Simultanübersetzung lag, die Sprachbarrieren überwinden half. Auf einem missionsgeschichtlichen Podium wurden die historischen Schwerpunkte der einzelnen Missionswerke deutlich. Hannes Menke von der Norddeutschen Mission sprach davon, dass die Gründerväter den konfessionellen Konflikt nicht in die Missionsländer tragen wollten. Dr. Ulrich Schöntube von der Gossner Mission hob den Kampf für die Rechte der Adivasi hervor, dem sich die Gossner Missionare von Anfang an widmeten.

Längst sind aus den Missionskirchen Partnerkirchen geworden, die ihren Glauben zu uns tragen. Für die Leipziger Mission und ihrem Programm „Mission to the North“ nahm Pfarrerin Joyceline Njama an der Tagung teil. Ein Zeichen, wie ernst die Missionswerke heutzutage den ökumenischen Dialog nehmen. Mission ist der Herzschlag der Kirche: in seinem Vortrag über Tendenzen gegenwärtiger Missionstheologie unterstrich Prof. Peter Zimmerling den auch in Meißen häufig zitierten Satz Eberhard Jüngels auf der EKD-Synode von 1999.

Pfarrer Christian Samraj, der erste ökumenische Mitarbeiter der Leipziger Mission, sagte ebenfalls, dass Kirche und Mission unzertrennlich seien. Aber während es in Indien einen „unsichtbaren Dialog“ zwischen den Religionen gebe, der in den Alltag eingeflochten werde, hielten viele Christen in Deutschland ihre Religion für Privatsache. In Indien wissen die Christen, dass sie im Alltag genau beobachtet werden; ständig seien sie in einer quasi-missionarischen Situation. Für Christen in Deutschland, die sich zunehmend in einem multireligiösen Kontext behaupten müssen, lohne sich deshalb ein Blick nach Indien.

In Ostdeutschland sind drei Viertel der Menschen stabil konfessionslos. „Sie haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben“ sagte Oberlandeskircherat Dietrich Bauer aus Dresden. Hier könne Mission nur dann erfolgreich sein, wenn sie „selbstbewusst, aber sanftmütig“ sei. Prof. Andreas Feldtkeller von der Berliner Humboldt-Universität hielt den Schlussvortrag über Mission im interreligiösen Zusammenhang. Wenn wir missionieren, tun wir nur das, was andere Religionen auch tun - im Wettbewerb und im Austausch. Es gebe keine getrennten Missionsgeschichten, sondern nur eine gemeinsame Geschichte von Ausbreitungsbewegungen der Weltreligionen. Missionsgesichte ist eine Geschichte des Gebens und Nehmens in den Kontaktzonen der Religionen, sagte Feldtkeller.

Orte, an denen mehrere Ströme zusammenfließen, nennt man in Indien Sangam. Für Inder haben diese Orte eine ganz besondere spirituelle Bedeutung. Diese Tagung, so Christian Samraj, sei für ihn wie ein Sangam gewesen.
(Berlin, 9.05.2011) 
Fotos: Gerd Herzog

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