Seite drucken · Suche · Kontakt · Newsletter · Sitemap · Impressum/Datenschutz

Indien: Heuschrecken zerstören die Ernte

Schlimmste Plage seit drei Jahrzehnten

Mitten in der Corona-Krise leidet Indien unter der schlimmsten Heuschreckenplage seit drei Jahrzehnten. „Fernsehbilder zeigen, wie sich große Insektenschwärme auf Gemüse, Hülsenfrüchte und Bäume stürzen“, berichtet Gossner-Mitarbeiter Alexander Nitschke aus Ranchi.  „Das betrifft vor allem die nordwestlichen Bundestaaten und den Süden. Befürchtet werden Ernteausfälle und unvorhersehbare ökonomische Schäden.“ Neben den Heuschrecken leiden die Menschen unter extremer Hitze und den Folgen eines verheerenden Wirbelsturms – und unter der Corona-Pandemie und dem Lockdown im Land.


Wo die Heuschrecken auftauchen, verdunkeln sie den Himmel. Innerhalb von Minuten fallen sie über Felder und Ernten her. So schnell wie sie gekommen sind, sind sie auch wieder weg. Die kilometerlangen Schwärme legen täglich bis zu 150 Kilometer zurück und fressen auf ihrem Weg alles kahl. Die Insekten vermehren sich schnell, da die aktuellen klimatischen Bedingungen ihre Fortpflanzung begünstigen.

Nachdem im Frühjahr zunächst aus mehreren Ländern Afrikas über extreme Heuschreckenschwärme berichtet worden war, waren später auch der Iran und Pakistan betroffen. Nun sind die Schwärme in die indischen Bundesstaaten Rajasthan, Punjab, Haryana, Uttar Pradesh und Madhya Pradesh und in den Süden eingefallen. „Diese Art der Heuschrecken, die nun Indien heimsucht, gehört zu den schädlichsten überhaupt“, berichtet Gossner-Mitarbeiter Alexander Nitschke. „Normalerweise gibt es kleinere Heuschrecken-Plagen in Indien fast in jedem Jahr, doch treten sie dann meist im Zeitraum zwischen Juli und Oktober auf.“

Sehr besorgt sei man nun besonders im ländlichen Indien, dass es bereits im Mai/Juni zu einer Plage solchen Ausmaßes gekommen ist. Ein einziger Schwarm mit etwa 80 Millionen ausgewachsenen Insekten vertilge an einem Tag so viel Ernte, dass davon 35.000 Menschen satt werden könnten. Die indischen Behörden versuchten die Tiere mit Pestiziden aus Drohnen oder aus Autos heraus zu töten. „Die Bauern dagegen versuchen, sie mit lauter Musik oder mit dem Zusammenschlagen von Töpfen zu vertreiben“, so Nitschke. Befürchtet werde, dass es nach dem Monsun im Juli eine zweite Heuschreckenwelle geben könnte.

Die Insekten sind nicht die einzige Plage im zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt, in dem 1,3 Milliarden Menschen leben. Zurzeit steigt die Zahl der Corona-Infektionen stark an. Die Hauptstadt Neu Delhi und andere Städte leiden zudem unter einer Hitzewelle mit Temperaturen von stellenweise bis zu 50 Grad.

Im Nordosten des Landes hatte darüber hinaus vor kurzem ein besonders starker Wirbelsturm gewütet. Mehr als hundert Menschen starben. Zu all dem sind wegen der strikten Ausgangssperre, die im März verhängt wurde, Millionen Menschen arbeitslos, und viele haben Angst zu verhungern.
(Berlin, 6.06.2020)


<< zurück