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Indien: Christen im Land in Sorge

Sonntag Reminszere: Gottesdienste im Livestream

Viele Christen in Indien sind besorgt. Die christlichen Kirchen unterhalten Schulen, Colleges, Kinderheime und Krankenhäuser. Um Spenden aus dem Ausland annehmen zu können, müssen sie staatlich anerkannt sein. Ein Gesetz soll den Missbrauch von ausländischen Geldern verhindern. „Zunehmend dient es aber auch dazu, regierungskritische Organisationen von Geldflüssen abzuschneiden“, beobachtet Gossner-Direktor Christian Reiser. Mehr als 1000 Organisationen seien bereits betroffen. „Die christlichen Kirchen sind vorsichtig geworden“, so Reiser. „Viele gute und wichtige Projekte für die Ärmsten der Armen können zurzeit nicht umgesetzt werden.“ Am Sonntag, 28. Februar, stellt die EKD Indien in den Fokus ihrer jährlichen Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christen.

In Indien leben Christen seit dem 4. Jahrhundert. Auch wenn heute ihr Anteil an der indischen Bevölkerung nur 2,3 Prozent beträgt, so handelt es sich um 30 Millionen Menschen. Der Großteil von ihnen kommt aus der benachteiligten Unterschicht: Adivasis (indigene Bevölkerung) und kastenlose Dalits. Die indische Verfassung verbietet Diskriminierung aufgrund von Religion, Rasse, Kaste, Geschlecht oder Geburtsort. Nach der Verfassung hat jeder Inder das Recht, seine Religion frei zu bekennen, zu praktizieren und zu propagieren. Doch dieses Recht sehen viele Christinnen und Christen im Land bedroht.

„Insbesondere seit 2014 propagieren die pro-hinduistische Partei BJP und Ministerpräsident Narendra Modi die Ideologie, dass alle Inder ursprünglich Hindus gewesen seien, obwohl das für viele Adivasis nicht zutrifft“, erläutert Christian Reiser, Direktor der Gossner Mission. „Islam und Christentum werden als, ausländische Religionen´ dargestellt, die mit Geld und falschen Versprechungen versuchen, Mitglieder und Einfluss zu gewinnen. Trotz des Verfassungsrechts auf freie Religionsausübung haben viele Bundesstaaten Gesetze erlassen, die Bekehrungen zum Christentum oder zum Islam unter Strafe stellen.“

2008 wurden im Distrikt Khandamal im Bundesstaat Odisha 300 Kirchen zerstört, 60.000 Menschen verloren ihr Hab und Gut, mehr als hundert Menschen starben. Seitdem haben viele Christen in Indien das Vertrauen verloren, dass der Staat sie schützt. Gewalt flackert schnell auf. „Der Verzehr von Rindfleisch wurde in vielen Bundesstaaten verboten, obwohl Adivasis und Muslime traditionell Rindfleisch essen“, sagt Reiser. „Der Vorwurf, jemand habe ein Rind geschlachtet, ist über soziale Medien schnell gestreut, und reicht aus, um einen gewaltbereiten Mob zusammenzurufen. Lynchjustiz ohne Anhörung ist häufig die Folge.“

Dabei bemühe sich die Gossner Kirche seit jeher um ein friedliches Zusammenleben. Doch ihr Handlungsspielraum werde immer mehr eingeschränkt.

Seit 2010 ruft die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag Reminiszere dazu auf, für verfolgte Glaubensgeschwister zu beten, in diesem Jahr für Christen in Indien. Direktor Christian Reiser wirkt in einem Indien-Gottesdienst am 28. Februar in der Berliner Marienkirche mit, in dem Bischof Dr. Christian Stäblein predigen wird. Auch im Berliner Dom richtet sich der Blick an diesem Tag nach Indien; hier wirkt neben Prälat Dr. Martin Dutzmann auch Gossner-Vorstandsmitglied Johannes Heymann im Gottesdienst mit. Gemeinsam mit dem Lippischen Freundeskreis der Gossner Mission plant die Lippische Landeskirche einen Gottesdienst, in dem Landessuperintendent Dietmar Arends (Foto) predigen wird. Die drei Gottesdienste werden live im Internet übertragen.

(Fotos: 
- Christian Reiser
- Dietmar Arends)


Sonntag, 28. Februar, Sonntag Reminiszere:

10.30 Uhr, Livestream aus der Berliner Marienkirche >>

10.00 Uhr, Livestream aus dem Berliner Dom >>

10.00 Uhr; Livestream aus Bad Salzuflen (Lippe) >>



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