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Gossners Werk

Innere Mission und äußere Mission gehören für Johannes E. Gossner unverrückbar (wie zwei "Zwillingsschwestern") zusammen. So ist es kein Zufall, dass er 1836/37 sowohl ein Krankenhaus in Berlin gründet als auch die ersten Missionare aussendet. Gossner gilt als Vater eines ganzheitlichen Missionsverständnisses.
 
Die Gründung des Missionswerkes (zunächst noch "Evangelischer Missionsverein zur Ausbreitung des Christentums unter den Eingeborenen der Heidenländer") hat Gossner nicht geplant. Als aber im Dezember 1836 sechs Männer mit der Bitte um Aussendung zu ihm kommen, entspricht er dieser gern. In Analogie zu den Brüdern der Herrnhuter Brüdermission sollen seine Missionare in apostolischer Weise tätig sein, d.h. vor allem die frohe Botschaft verkünden und daneben wie Paulus ihren Lebensunterhalt selbst verdienen. Die Konfession spielt für Gossners Glaubensmission keine Rolle. Wichtig auch in seinen Augen: das Fehlen einer Kirchenordnung und der Mangel an Spezialausbildungen.
 
Gossner sendet Missionare in alle Welt aus; eine kontinuierliche Missionsarbeit aber entwickelt sich nur im Nordosten Indiens. Die Missionare wirken ab 1845 sehr erfolgreich unter den Adivasi (indigene Völker). Sie beschränken sich von Anfang an nicht auf Verkündigung und Unterweisung, sondern treten auch für die Rechte und die Rettung der Adivasi ein. Das hat die Feindschaft der Feudalherren zur Folge, doch ist in Indien bald eine eigene Kirche im Wachsen begriffen. Die Gewinnung und Ausbildung hauptamtlicher Pastoren unter den Adivasi wird zur Hauptaufgabe der Gossner Missionare.
 
Schwierigkeiten allerdings gibt es bald im Werk selbst, weil Kritik an Gossners völlig unorganisierter und überkonfessioneller Form der Mission entsteht. Nach Gossners Tod wird 1858 in Berlin ein Kuratorium zur Leitung eingesetzt. Später entwickelt das Werk eine lutherische Prägung. Doch trotz der Annäherung an den "normalen Missions-Typ" schafft es die Gossner Mission stets, der von Gossner befürchteten Bürokratisierung und Erstarrung zu entgehen.
 
In Indien führt der Beginn des ersten Weltkrieges zur Ausweisung der deutschen Missionare. So konstituiert sich dort 1919 eine selbstständige Gossner Kirche. Diese junge indische Kirche ist die erste auf einem neuzeitlichen Missionsfeld überhaupt. Da sich die Lösung von der "Mutter" in Deutschland aber recht schwierig gestaltet, kann erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von einer wirklichen Selbstständigkeit gesprochen werden. Damit hat die Gossner Mission als eine der ersten deutschen evangelischen Missionsgesellschaften ihr bisheriges Arbeitsgebiet freiwillig verlassen, weil sie ihren Auftrag dort als beendet erkannt hat.
 
Heute werden enge partnerschaftliche Beziehungen zur indischen Gossner Kirche gepflegt, etwa durch finanzielle Unterstützung von Entwicklungsprojekten und ein intensives gegenseitiges Besuchsprogramm. 
 
Die Gossner Mission ist seit 1968 auch in Nepal tätig sowie seit 1970 in Sambia. Entwicklungsarbeit und die Aufgabe der Verkündigung gehören weiterhin untrennbar zusammen. In der Bundesrepublik hat die Gossner Mission nach dem Zweiten Weltkrieg in Mainz-Kastel ein Zentrum für kirchlichen Dienst in der Industrie-Gesellschaft gegründet, während in der DDR die Gossner Mission Ost entstand. Die beiden Dienststellen wurden nach der Wiedervereinigung zusammengeführt.
 
Heute sieht sich die Gossner Mission als eine Missionsgesellschaft, die Mission ganzheitlich versteht, sich vielfältig engagiert und offen für neue Projekte ist. Dabei profitiert sie weiter von der Erinnerung an Gossners erstaunliche Freiheit von starren Prinzipien und Ordnungen, seiner Flexibilität sowie seiner ökumenischen Haltung in Bezug auf die Verwirklichung partnerschaftlicher Zusammenarbeit.

Texte zur Geschichte der Gossner Mission (PDF-Dateien):
 

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