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Herzlich Willkommen in meinem Reiseblog
![]() Liebe Gossner-Freunde,
rund zehn Tage lang werde ich unsere Partnerkirche in Indien, die Gossner Kirche, besuchen. Es handelt sich um einen Arbeitsbesuch – und trotzdem wird sicherlich Zeit sein, interessante Eindrücke und Neuigkeiten aufzunehmen. Begleiten Sie mich doch einfach. Ich freue mich schon auf Ihre Rückmeldungen. Ihr Ulrich Schöntube 22.1. Keine Angst vor GeisternAls ich heute früh um sieben aufwachte, lief bereits der erste Morgengottesdienst. Alle Gottesdienste werden per Lautsprecher übertragen. So schallte der Gesang des Chors über den Compound. Ich packte ein wenig. Im zweiten Gottesdienst sollte die Taufe von „Madja“ stattfinden, der Tochter von Alex und Idan. Madja heißt übersetzt „Mädchen“. Bis zur Taufe bekommen Kinder zunächst keinen Namen. Jungen heißen entsprechend bis zur Taufe nur „Babu“ – Junge.
Da dieser Sonntag der Einheitssonntag (Unity Sunday) aller Denominationen ist, tauschen die Pfarrer und Bischöfe der Stadt die Kanzeln. Die Predigt hielt der katholischer Pfarrer Schuman Mundu. Idan übersetzte mir und es waren recht progressive Gedanken. Zum Beispiel sagte er, dass wir Christen zur Einheit gerufen sind aus den gleichen Schriften lesen, uns auf die gleiche Taufe berufen. Nur menschliche Eitelkeiten und Rechthabereien hätten die Spaltungen in die Kirche gebracht. Abgesehen davon, dass ein solcher Gedanke erstaunlich von katholischer Seite zu hören ist. Diese Ansage dürfte auch auf die Gossner Kirche und ihre Kirchenspaltungen zutreffen. Dann kam die Taufe. Bischof Jojo hatte freundlicherweise eine englische Liturgie herausgesucht, damit als Pate folgen konnte. Er hatte als Texte Johannes 3 und den schönen Vers aus Ps. 127 gewählt: „Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk.“ Während der Taufe wurde das erste Mal der Name genannt. Sie heißt nun „Alida Jo Hanna“. Wie ich später erfuhr hat der Name folgende Bedeutung: „Alida“ ist eine Zusammensetzung der Anfangsbuchstaben der Namen der Eltern, Alex und Idan. „Jo“ ist ein Mundariwort und heißt „Frucht“. Hanna ist aus dem Hebräischen und bedeutet Gnade. Allerlei Überlegungen zur Bedeutung des Namens lassen sich nun anstellen. Vater Nitschke sagte: Frucht von Alex und Idan ist Hanna. Recht treffend finde ich. Nun ereignete sich während der Taufe noch etwas sehr Bemerkenswertes. Es wurde noch ein zweites Mädchen getauft. Sie hatte dunkle Flecken im Gesicht. Ich dache, nun vielleicht hat sie eine Hautkrankheit? Bischof Jojo wurde richtig ärgerlich und fauchte die Eltern auf Hindi an. Sie wischten die Flecken ab. Nun konnte getauft werden. Es ist in nichtchristlichen Familien Brauch, dem Kind Flecken in das Gesicht zu malen, da dies den „bösen Blick“ abwehre. Solcherlei Geisterglaube wollte der Bischof vor der Taufe von den Eltern gebannt wissen. Doch auch Europäer können nichts ahnend etwas falsch machen. So legte ich die Kollekte nach der Taufe mit der linken Hand in das Körbchen. Darauf machte mich ein Gemeindeglied aufmerksam, dies sei die unreine Hand und nicht für das Opfer geeignet. Dazu muss man wissen, dass die Inder meist mit der rechten Hand essen während mit der linken die unreinen Geschäfte erledigt werden. Nach der Taufe schlich ich zu Hartmut Grosch hinauf zur Empore und wir spielten unsere Stücke und begleiteten die Choräle des weiteren Gottesdienstes. Während unsere Stücke erstaunlich gut klappten, war das begleiten der Lieder nicht ganz einfach. Denn Bischof Jojo sang beharrlich einmal mindestens eine Terz zu hoch als Orgel und Gemeinde in das Mikro. Heiter war dabei, dass er dabei immer lauter wurde. Normalerweise werden die Gottesdienste in Ranchi durch den Chor begleitet. An ihn haben wir uns dann gehalten und füllten den Gemeindegesang instrumental auf.An die Taufe schloss sich dann die Familienfeier an. Dies geht so vor sich, dass mindestens 300 Gäste geladen waren. Es gab ein großen leckeres Essen. Als offiziellen Akt gehen alle Gäste an den Eltern und Taufpaten vorbei und überreichen dem Kind Geschenke. Sehr oft wird bei dem Händedruck Geld überreicht. Ich stand neben meiner Patenkollegin, der schönen Midu, die nun Alida Jo Hanna hielt und nahm die Glückwünsche für das Kind entgegen, noch vor den Eltern. Dies unterstreicht noch einmal die besondere Rolle der Paten. Leider musste ich die Feier nach der Zeremonie der Glückwünsche ohne zu essen verlassen. Denn um 14.30 Uhr begann die große Feierlichkeit des „Unity Sunday“. In Ranchi gibt es 11 verschiedene Denominationen, die in einem sogenannten All Churches Comitee organisiert sind. Die Feier begann damit, dass sich alle kirchlichen Autoritäten versammelten. In einer Prozession, in der Bibel, Christusbild und Kerzen vorangetragen wurden, wandelten die Bischöfe, gekleidet in meist in Alba, durch ein Spalier von Frauen, die in typischer Weise tanzten. Mir wurde die Ehre zuteil mitzuwandeln und ein Grußwort zu sprechen. Besonders hervorgehoben wurde während der Begrüßung, dass das Evangelium durch die Gossner Missionare in Chotanagpur zuerst ankam. In meinen kurzen Worten wies darauf hin, welche Kraft von dem gemeinsamen Zeugnis der Kirchen ausgehen kann und dass wir dies in Deutschland vor zwanzig Jahren dies in besonderer Weise erfahren haben. Während meines fünften Besuches hier in Ranchi ist mir bewusst geworden, dass die sozialen Probleme sich gesteigert haben, auf dem Land die Frage der Enteignung und der Gewalt durch die Naxaliten. Das All Churches Comitee hat verschiedentlich politisch Position bezogen. Zuletzt geschah dies sehr erfolgreich vor drei Jahren, als eine Bibelübersetzung zu gewaltvollen Auseinandersetzungen in Ranchi führte. Daraufhin haben die Kirchen gemeinsam ihr Verhältnis zur Sarna-Religion, der Religion der Adivasi neu bestimmt. Nun ist es an der Zeit in den anderen Fragen der gesellschaftlichen Rolle der Kirchen gemeinsam Position zu beziehen. Dies hatte auch der Pfarrer Schumann Mundu in seiner Predigt heute morgen angedeutet. Ich hatte offenbar den Nerv getroffen. Denn es gab recht großen anhaltenden Applaus.Höhepunkt der ganzen Feier war für mich, dass unsere Alice Dungdung, die zur Jugend der Gossner Kirche gehört, ganz souverän durch die Liturgie der Feier führte. Ich war sehr beeindruckt, wie selbstverständlich und zugleich liebenswürdig sie all die hohen Herren zu ihren jeweiligen Aufgaben geleitete. Eine tolle junge Frau. Besonders heiter stimmte ein Tanz, den Jugendliche – zu welcher Kirche sie gehörten weiß ich nicht – aufführten. Es war eine Aufführung im Stile eines Bollywood-Films: Ein junges Paar tanzt gemeinsam umgeben von guten Geistern. Plötzlich ändert sich die Musik mit dumpfen Rhythmen springt der Teufel herbei und versucht die Frau (!) zu verführen. Die guten Geister verwandeln sich in böse Geister. Plötzlich ist das Paar umzingelt. Sie werfen sich zu Boden. Nun taucht Jesus auf – gekleidet wie in einem amerikanischen Film und richtet das Paar auf. Schlussbild: Der Teufel liegt am Boden. Mit segnender Geste steht Jesus vor dem Kreuz. Die Feier des Unity Sunday dauerte noch drei Stunden, genauso übrigens wie der Taufgottesdienst am Morgen. Es gab Lesungen verschiedene Predigten und es wurde ein neuer Generalsekretär eingeführt. Bisher nahm das Amt der Prinzipal des Theologischen College Manmasih Ekka wahr. Nun wurde der ehemalige Generalsekretär der Gossner Kirche Cyrill Lakra eingeführt. Meine Zeit in Ranchi neigte sich dem Ende entgegen. Ich ging noch einmal zurück zur Taufgesellschaft gegangen. Dort begegnete ich einem weiteren Mitglied der Band „The Gossners“. Sushant Mundu war aus Rourkela extra angereist. Nach einem abschließenden Familienbild musste ich meine Sachen packen. Um halb acht flog pünktlich das Flugzeug nach Delhi. Hier ist das Abschiedsbild der Tauffamilie. ![]() |
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