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Herzlich Willkommen in meinem Reiseblog
![]() Liebe Gossner-Freunde,
rund zehn Tage lang werde ich unsere Partnerkirche in Indien, die Gossner Kirche, besuchen. Es handelt sich um einen Arbeitsbesuch – und trotzdem wird sicherlich Zeit sein, interessante Eindrücke und Neuigkeiten aufzunehmen. Begleiten Sie mich doch einfach. Ich freue mich schon auf Ihre Rückmeldungen. Ihr Ulrich Schöntube 21.1. Konversion - alles ändert sich! Heute Morgen war ich pünktlich um zehn Uhr im Theologischen College. Vor allem hier – das fällt mir bei diesem Besuch besonders auf – dauert es immer lange, bis die Veranstaltung beginnen kann. Wie in jedem Jahr bin ich eingeladen, einen Vortrag für die Studenten zu halten. Der Principal des College Manmasih Ekka berichtet aus dem akademischen Jahr, an welchen internationalen Konferenzen die Dozenten teilnehmen konnten. Er überreicht mir das Jahrbuch des Colleges. Bei einigem Blättern darin finde ich ein einen Holzschnitt von Thomas Müntzer. Ich buchstabiere die Hindibuchstaben und entdecke, dass mein Vortrag aus dem letzten Jahr über einen Vergleich von Birsa Munda und Thomas Müntzer übersetzt und abgedruckt wurde. Das ist eine große Ehre, finde ich. Sehr lebhaft ist mir auch die Diskussion aus dem letzten Jahr in Erinnerung. Nun beschäftigen wir uns mit dem Thema der Konversion. Meine These: Die Konversion der ersten Christen in Chotanagpur beruht auf einem Missverständnis. Während die Missionare das Bekenntnis der Sünde ersuchten, war für die Adivasi das Christentum attraktiv, weil es sie aus der sozialen Isolation führte. Zwei Lehrer des Colleges, Cyrill Hans und Bischof CSR Topno haben in fleißiger Nachtarbeit den heutigen Vortrag schriftlich ins Hindi übersetzt, so dass die Studenten folgen können. An die Ausführungen schließt sich eine Diskussion über die politische Bedeutung der Konversion an. In einigen Bundesstaaten Indiens wie in Orissa oder Chattisgarh ist die Konversion in eine andere Religion als die des Hinduismus verboten. Weiterhin diskutieren die jüngeren Lehrer die Rolle des Sündenbekenntnisses im Rahmen der Kindertaufe. Die Paten legen im Rahmen der Liturgie der Gossner Kirche die Hand auf den Täufling und sagen stellvertretend dem Bösen ab. Diese Debatte markiert sehr gut, dass das theologische Erbe der Missionare aus dem 19. Jahrhundert noch sehr lebendig in der Gossner Kirche ist. Es ist ihnen zu wünschen, dass sie eigene Wege in ihrem theologischen und liturgischen Verständnis gehen. Dazu wollte ich mit dürren Ausführungen an diesem Ort wie in jedem Jahr besonders ermutigen. www.gossner-mission.de/media/blog/5th_Lecture_1850_deutsch.pdf
Nach dem gemeinsamen Essen bin ich mit Hartmut Grosch in der Christuskirche verabredet. Ich habe bei Alex Nitschke im Haus ein Kornett gefunden. Wir hatten es im Scherz einmal bei einen der vorangegangenen Reisen in Delhi auf der Straße erstanden. Morgen wird die Zweitgeborene getauft. Sie wird ihren Namen erst in der Taufe erhalten. Wir werden uns morgen als Überraschung für die internationale Familie im Duo Trompete und Orgel probieren, soweit es das Instrument hergibt. Heute haben wir immerhin mit Erfolg gut stimmend Bachs Choralbearbeitung „Jesu bleibet meine Freude“ hinbekommen. Mal sehen, wie es morgen gelingt. Natürlich werden wir auch die üblichen Bajhans zusammen mit dem lokalen Chor spielen, die nun in Notenschrift vorliegen. Auf dem Rückweg gehe ich bei dem Grundstück der Jugendgruppe vorbei. Sie sind – ich berichtete über ihre Verabredung – kräftig dabei das Haus und das Grundstück zu reinigen. Ab Februar wollen sie sich dort treffen. Auch frische Farbe sollen die Wände sehen. Toll diese Aktivitäten zu sehen und ich bin gespannt, wie es weitergehen wird. Während ich einen Eimer Dreck aus mit aus dem Haus trage, kommt ein Ehepaar auf mich zu. Erst als sie kurz vor mir stehen, erkenne ich sie.Es ist Dr. Horo und seine Frau. Beide sind Ärzte in einem abeglegenen Krankenhaus der Gossner Kirche in Amgaon. Er überreicht bei unserem Gespräch einen Finanzbericht und einen Plan zur weiteren Entwicklung des Krankenhauses. Endlich. Wir hatten seitens der Gossner Mission die jährliche Finanzierung von 30.000 Euro eingestellt, weil es trotz mehrmaligen Bittens keine Reaktion gab. Nun habe ich in dieser Sache endlich etwas zu lesen und wir werden in Deutschland in den Gremien beraten müssen, wie es langfristig weitergehen soll mit der Unterstützung für das Krankenhaus Amgaon.
![]() Danach bin ich mit Prem Samuel Dang verabredet. Er war mit der Folkband „The Gossners“ in Deutschland und wir hatten sehr viel Spaß miteinander. Er begleitet mich in ein Geschäft, in dem es lokales Kunsthandwerk zu kaufen gibt. Ich muss unsere Vorräte in der Gossner Mission etwas auffüllen. Denn wir werden im Sommer zum Beispiel beim Ostfriesischen Kirchentag präsent sein und der Stand muss bestückt werden. Mein Koffer ist nun leer für den Rückflug. Prem hat Modedesign studiert und berät mich ganz hervorragend. Mit vielen Karten, Stoffen, Schmuck, Schals werde ich nun die Reise antreten können. Dann gehen wir einen Kaffee trinken in ein gutes, heißt teures Café. Hier ereignet sich nun etwas Symbolisches. Wir schnabulieren gemeinsam einen Riesenbrownie mit Eis von einem Teller. Es wird viel gelacht. Dann will ich bezahlen. Doch er hat schon bezahlt und sagt: „Das ist Konversion, die nun mit uns Jugendlichen dran ist – Die Zeiten ändern sich. Jetzt lade ich ein!“ Prem überrascht immer wieder mit solchen Äußerungen, in denen deutlich wird, wie sehr sich - Gott sei Dank - durch die Jugend die klassischen Rollen ändern. Zum Beispiel hatte er mir auch geschrieben, als er den Namen der Band „The Gossners“ annoncierte: Früher kamen vier Missionare (die erste Gruppe aus Berlin waren vier), jetzt kommen wir vier zurück und bringen etwas vom Evangelium zu euch.Dann haben Alex und ich ein langes Gespräch mit dem stellvertretenden Moderator Bischof Johann Dang. Wir gehen alle Punkte der Reise und alle Gespräche durch. Er sagt: „Ich bin dankbar, denn ich komme auch von außerhalb – er lebt in Rajgangpur in Orissa – und jetzt habe ich durch Euch ein paar Einsichten hier in der Zentrale gewonnen. Es gibt viel zu tun.“ Wir verabreden, dass ich meinen – unseren Bericht als Brief an die Kirchenleitung schicke. Nun ist es schon Abend und ich nehme mit Bischof Dang eine Einladung des „Mahila Samiti“ war. Das ist die Frauenverbindung der Kirche. Es wird natürlich reichhaltig gegessen und erzählt. Sie berichten über ihre Aktivitäten im vergangen Jahr und ihre Pläne. Nun muss ich schon anfangen zu packen. Denn morgen Abend werde ich bereits entgegen meinen ursprünglichen Plänen nach Delhi fliegen. Denn wir haben herausbekommen, dass der Flug am Montagmorgen von Ranchi nach Delhi gestrichen bzw. erst mittags gehen wird. Da sollte ich aber schon auf dem Weg nach Frankfurt sein. Deshalb fliege ich nun schon abends nach Delhi. Vor uns liegt aber noch ein wundervoller Tag morgen. Es ist Taufe und es ist „Unity Sunday“. Alle Kirchen werden gemeinsam einen ökumenischen Gottesdienst feiern. Wenn ich morgen Abend eine Internetverbindung habe, werde ich gern über die Ökumene schreiben. Bis dahin, hoffentlich! |
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