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175 Jahre Gossner Mission

An der Seite der Vergessenen
 
„175 Jahre Mission mit Herz und Hand“: So lautet der Slogan der Gossner Mission. sieht sich seit ihrer Gründung an der Seite der Marginalisierten in Übersee und in Deutschland. Sie fördert Partnerschaften und Projekte in Übersee – und kümmert sich zugleich um Beratung und Vernetzung von Arbeitslosen- und Hartz IV-Gruppen in Deutschland.
 

„Unser Proprium ist die Verbindung der Arbeit in Deutschland und Übersee. Diese Schwerpunktsetzung kann kein anderes evangelisches Missionswerk aufweisen“, betont der junge Direktor des Werks, Dr. Ulrich Schöntube. Und: „Die Gossner Mission hat Mission immer ganzheitlich verstanden; unser Werk engagiert sich vielfältig und ist bereit, neue und auch unbekannte Wege zu gehen.“

 

Ein Blick in die Geschichte. Zu Zeiten der Nazi-Diktatur wandte sich die Gossner Mission der Bekennenden Kirche und den Opfern des Nationalsozialismus zu; auch in den Umbrüchen der Nachkriegszeit stand die Hinwendung zu den Menschen am Rande der Gesellschaft im Mittelpunkt der Arbeit in Deutschland. In Mainz baute Mitarbeiter Horst Symanowski das Zentrum für Kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft auf, und in der DDR zogen Theologen im Auftrag der Gossner Mission mit einem Wohnwagen in die völlig zerstörten Dörfer des Oderbruchs, um den Menschen nahe zu sein; um seelsorgerlich tätig zu werden und zugleich beim Wiederaufbau mit anzupacken. So arbeitete die Gossner Mission stets mit Men­schen und Bewegungen zusammen, die in Kirche und Gesellschaft meist vergessen, wenn nicht verach­tet worden waren. Ein weiteres Beispiel: das Eintreten für die Hausbesetzer-Szene im West-Berlin der 70er Jahre.

„Um diese ungewöhnliche Missionsgeschichte zu verstehen, muss man noch weiter zurückgehen – bis zum Missionsgründer“, betont Dr. Schöntube. Denn geprägt wurde das Werk durch die Persönlichkeit des Berliner Pfarrers Johannes Evangelista Goßner, der sich – auf die ihm eigene konsequente und streitbare Art – gegen Bürokratie und starre Ordnungen wandte und schon vor 175 Jahren überkonfessionell dachte und wirkte. Goßner kümmerte sich im aufstrebenden Berlin des 19. Jahrhunderts um die Verlierer, um verwahrloste Kinder, zerbrochene Familien, um Obdachlose, Bettler und Gefangene. Er richtete Kindergärten ein, gründete Krankenpflegevereine und später das erste evangelische Krankenhaus Deutschlands, die heute noch bestehende Elisabeth Klinik. 
 

Und so zeigte er sich auch offen, als im Dezember 1836 eine kleine Gruppe von Handwerkern vor seiner Tür stand. Die drei Schneider und zwei Schuhmachergesellen wollten von ihm in die Mission entsandt werden. Goßner zögerte – Missionsgesellschaften gab es schließlich einige zu dieser Zeit. Aber: Als Handwerker hatten die Männer bei keiner dieser Gesellschaften Aufnahme gefunden. Goßner betete mit ihnen – und kam zur Überzeugung, dass der von ihnen angestrebte Weg der richtige sei. Er selbst hatte sich gerade mit dem Komitee einer anderen Berliner Missionsgesellschaft überworfen, u.a. weil man dort – wie auch anderswo in Deutschland – den Missionsbegeisterten ein theologisches Studium auferlegte. Dadurch jedoch wurde mancher engagierte aber ungebildete Interessent von der Missionstätigkeit ausgeschlossen, was Goßner heftig kritisiert hatte.

So erklärte er sich nun bereit, auf eigene Faust Missionare auszubilden und zu entsenden, die die christliche Botschaft in die Welt tragen und tatkräftige Hilfe bringen sollten. Die ersten zwölf – unter ihnen war nur ein Theologe – gingen nach Australien, wo sie für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen hatten; auch das damals eine ungewöhnliche Entscheidung des Missionsgründers.
 
Nachhaltiger als in Australien oder in anderen Regionen – Goßner selbst entsandte 140 Missionare in Länder von Grönland bis zu den Chatam-Inseln – war die Arbeit in Indien: Hier wandten sich die Missionare der indigenen Bevölkerung zu, und hier entstand schon 1919 eine selbstständige lutherische Kirche mit Namen „Gossner Kirche“, die bis heute eine Kirche der Unterdrückten und der wichtigste Partner der Gossner Mission ist.
 

„Seit den Anfängen ist vieles in Bewegung“, fasst Dr. Schöntube zusammen. „.Bis heute aber sieht sich die Gossner Mission an der Seite der Armen; bis heute geht es um das Teilen des Glaubens und die Zuwendung zum Nächsten.“

Gossner Mission 2011

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