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Die Arbeit in Deutschland

Die Gossner Mission hat in ihrer Geschichte immer wie­der Befreiung zur Umkehr erfahren: In ihrer Hinwendung zur Bekennenden Kirche und zu Opfern des  Nationalsozialismus lernte sie, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Umkehr zu den kirchenfernen Menschen signalisierte der Aufbau des Kirchlichen Dienstes in der Industriegesellschaft im Mainzer Arbeitszentrum ab 1949 ebenso wie der Aufbau der Gossner Mission in der DDR. Die Gossner Mission überwand damit nicht nur die Trennung der Mission in "Überseearbeit" und "Heimatarbeit". Sie begann darüber hinaus, mit Men­schen und Bewegungen zusammenzuarbeiten, die im Leben der Kirche meist vergessen, wenn nicht verach­tet worden waren. Die Gossner Mission suchte nach Wegen des Glaubens in einer auf Sozialismus orientierten Gesellschaft. Sie hat sich mit der sozialistischen Gesellschaftsordnung in einer nicht-christlichen Umwelt aktiv auseinandergesetzt und nach Wegen verantwortlichen Handelns gesucht.
 
Das Mainzer Seminar für kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft

Junge Theologinnen und Theologen gehen auf Zeit in Industriebetriebe und teilen das Leben der Menschen, die die abhängigsten in der modernen Gesellschaft sind. Nach der Synode der EKD in Espelkamp 1955, die sich mit Fragen der Kirche in der modernen Industriegesellschaft befaßte, wurde im Goßner-Haus in Mainz ein Halbjahresseminar für Pfarrer in der Industriegesellschaft begonnen. Später kamen noch sog. »Industriepraktika« für Studentinnen und Studenten hinzu. Neben diesen Seminaren und Praktika beteiligte sich die Gossner Mission in Mainz seit Beginn der achtziger Jahre aktiv in der damaligen Friedensbewegung (»Nachrüstungsbeschluss«) und in der Arbeit mit Migranten und arbeitslosen Jugendlichen. Das Seminar für kirchlichen Dienst in der Industriegesellschaft wurde im Jahr 2001 in die Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau überführt.

Die Arbeit der Gossner Mission in der DDR

In zahlreichen Regionen im Osten Deutschlands war nach den brutalen Zerstörungen des 2. Weltkrieges kaum mehr kirchliche Präsenz vorhanden; die Menschen waren traumatisiert und damit beschäftigt, ihr Überleben zu organisieren. In dieser Situation beschloss das Kuratorium der Gossner Mission auf Antrag ihres Mitarbeiters Horst Symanowski die Anschaffung eines Wohnwagens, der zur »Evangeliumsverkündigung in den Gebieten östlich von Berlin« eingesetzt werden sollte. Mit diesem Wohnwagen, der später durch weitere ergänzt wurde, zogen Beauftragte der Gossner Mission ins Oderbruch-Gebiet. Vom Wohnwagen, der an die Stelle von Kirche, Pfarrhaus und Versammlungsraum trat, sollte die Sammlung der Menschen zu einer Gemeinde Jesu Christi ausgehen. Mit der Wohnwagenarbeit begann der Versuch, mit offenen, alternativen Gemeindeformen einen Weg zu finden, in der 1949 gegründeten DDR Christentum im Sozialismus zu leben. Die Gossner Mission in der DDR begründete ihren »Dienst in der Welt« als bewusstes Sicheinlassen auf den Kontext ihrer, der sozialistischen, Gesellschaft. Das Zusammenleben der Menschen und verantwortliche Gemeinschaft zu entwickeln, wurde zum bestimmenden Anliegen bei der Mitarbeit in Betrieben, in der Neustadtarbeit sowie bei der Mitarbeit in gesellschaftlichen Organisationen oder in kommunalen Basisgruppen.

"Wir müssen die Hoffnung wagen, daß Christus uns nicht nur in die Fremde einer 'gottlosen' Welt hinausschickt, um von uns in der Auseinandersetzung mit der verwirrenden Vielfalt einer feindseligen Weltwirklichkeit 'christliche Bewährung' zu erwarten, sondern daß er schon immer vor uns in der Welt - auch in der Gesellschaft, in den Organisationen von Wirtschaft und Handel, Arbeit und öffentlichem Leben, Politik und Kultur - als deren auferstandener Herr auf dem Plan und am Werk ist! Was die Kirche den Menschen in ihrer Kirchenferne zu bezeugen hat, ist die Aufhebung der Trennung zwischen Gott und Menschenwelt in Christus. Was sie dabei zu entdecken hat, ist Christus in der so kirchenfremd gewordenen Menschenwelt. Was ihr dabei selber widerfährt, wird sich herausstellen. Das sie bleiben wird, wie sie ist, wird zweifelhaft. "
(Horst Symanowski)
 
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